{"id":1179,"date":"2025-05-29T19:44:40","date_gmt":"2025-05-29T19:44:40","guid":{"rendered":"https:\/\/kommunalismus.org\/?p=1179"},"modified":"2025-05-29T19:44:40","modified_gmt":"2025-05-29T19:44:40","slug":"bookchin-und-der-bauernkrieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kommunalismus.org\/?p=1179","title":{"rendered":"Bookchin und der Bauernkrieg"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Der Deutsche Bauernkrieg spielt eine wichtige Rolle in der revolution\u00e4ren Geschichtskonzeption von Murray Bookchin. Die Aufst\u00e4nde markierten einen Wendepunkt: Soll die Gesellschaft auf der direktdemokratischen Kommune aufbauen, in der Gleichwertige ihre Bed\u00fcrfnisse erf\u00fcllen, oder soll die Macht im kapitalistischen Staat zentralisiert werden? Die B\u00e4uerlichen von 1525 wollten die kommunale Lebensweise bewahren \u2013 nicht r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt, sondern als \u00abErinnerung nach vorne\u00bb (Schibel). Trotz ihrer Niederlage ist die \u00abRevolution des Gemeinen Mannes\u00bb (Blickle) ein Vorbild, auf das sich die heutige Linke positiv beziehen kann. Bookchin stellt die historischen Ereignisse in den Kontext der revolution\u00e4ren, konf\u00f6deralistischen Tradition.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Murray Bookchin stellt die Bauernrevolten im \u00dcbergang vom Sp\u00e4tmittelalter zur fr\u00fchen Neuzeit an den Beginn seines monumentalen vierb\u00e4ndigen Geschichtswerks \u00abThe Third Revolution\u00bb (1996\u20132005). Dieses Werk zeichnet die westliche revolution\u00e4re Tradition nach, die unter anderem die Franz\u00f6sischen Revolutionen, die Russische Revolution und die Spanische Revolution von 1936\u20131939 umfasst. Mit seinem Sp\u00e4twerk gab Bookchin den heutigen Linken ein Geschichtsnarrativ in die Hand, auf das sie sich selbstbewusst beziehen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter dieser Optik muss auch Bookchins Behandlung des \u00abDeutschen Bauernkriegs\u00bb von 1525 gesehen werden. Die Aufst\u00e4nde nehmen in Band 1 von \u00abThe Third Revolution\u00bb betr\u00e4chtlichten Platz ein: denn im Vergleich zu vorangehenden Revolten war der Bauernkrieg ein Ereignis von einer Dimension, die bisher nie erreicht worden war. Er kann als Ausdruck einer tiefliegenden, widerst\u00e4ndigen Str\u00f6mung gesehen werden, die immer schon da war und sich punktuell immer wieder \u00e4usserte. Bookchin nannte diese Str\u00f6mung \u00abthe legacy of freedom<em>\u00bb<\/em>, das Erbe der Freiheit, die im Gegensatz zur \u00ablegacy of domination\u00bb, dem Erbe der Herrschaft, steht. Insbesondere f\u00fcr Linke im deutschsprachigen Raum ist es interessant, den Bauernkrieg in Bookchins Optik zu sehen, das heisst: nicht als singul\u00e4res und sinnloses Ereignis, sondern als ein \u00abScheitern nach vorne\u00bb<a href=\"#sdendnote1sym\" id=\"sdendnote1anc\"><sup>i<\/sup><\/a>. Das Aufbegehren der b\u00e4uerlichen Leute 1525 \u2013 im damaligen Sprachgebrauch \u00abAufruhr\u00bb und \u00abEmp\u00f6rung\u00bb \u2013 steht in einer Tradition des Widerstands, die nie verschwunden ist, auch wenn sie vom b\u00fcrgerlichen Geschichtsnarrativ verschleiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Politische Narrative<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bookchin \u2013 und Peter Blickle, der Historiker, auf den er sich am meisten bezieht \u2013 waren sich durchaus bewusst, dass der Bauernkrieg, je nach der eigenen politischen Einstellung, unterschiedlich interpretiert werden kann. Zusammenfassend k\u00f6nnen zwei grosse Narrative ausgemacht werden. Das eine ist die realsozialistische Auslegung, die im Bauernkrieg einen Vorl\u00e4ufer einer sozialistischen Revolution und Ausdruck des Klassenkampfes sieht, eingebettet in das Geschichtsbild des dialektischen Materialismus, das oft eine zwangsl\u00e4ufige Entwicklung annimmt. Das andere Narrativ ist das liberale, staatstragende, heute immer noch g\u00e4ngige Narrativ, das etwa so lautet: Die Bauern seien zwar im Recht gewesen, dass sie sich gegen den Feudalismus auflehnten, aber sie waren zu ungest\u00fcm, zu blutr\u00fcnstig, und ihr Unterfangen war sowieso sinnlos; aber nach der Niederschlagung sei es zu Kompromissen gekommen, was schliesslich, nach weiteren Umwegen, die heutige Ordnung eingel\u00e4utet habe \u2013 das System von Nationalstaaten, repr\u00e4sentativer Demokratie, Schutz des Privateigentums und Kapitalismus, sprich, zur kapitalistischen Moderne. Und in diesem Sinn wird aus liberaler Warte durchaus positiv an den Bauernkrieg erinnert, was jedoch einer Vereinnahmung gleichkommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im zeitlichen Umfeld des 450-Jahre-Jubil\u00e4ums von 1975 kritisierte Peter Blickle<a href=\"#sdendnote2sym\" id=\"sdendnote2anc\"><sup>ii<\/sup><\/a> verschiedene Interpretationslinien, und zeigte, wie der Bauernkrieg f\u00fcr f\u00fcr Nationalismus, Sozialismus und Liberalismus nutzbar gemacht wurde. Demgegen\u00fcber legte er ein eigenes, neues Narrativ vor: den Bauernkrieg<a href=\"#sdendnote3sym\" id=\"sdendnote3anc\"><sup>iii<\/sup><\/a> als \u00abRevolution des gemeinen Mannes\u00bb.<a href=\"#sdendnote4sym\" id=\"sdendnote4anc\"><sup>iv<\/sup><\/a> Sein grosser Beitrag war, dass er die passiven Untertanen zu historischen Subjekten<a href=\"#sdendnote5sym\" id=\"sdendnote5anc\"><sup>v<\/sup><\/a> machte. Das allein ist ein Geschenk f\u00fcr alle, die den Bauernkrieg aus linker Perspektive verstehen m\u00f6chten (auch wenn Blickle selber nicht als \u00ablinks\u00bb einzuordnen ist).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Utopische Potenzialit\u00e4ten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bookchin geht hier noch einen Schritt weiter. W\u00e4hrend Blickle den Ausgang der Revolution vor allem im Hinblick auf die modernen Menschen- und B\u00fcrgerrechte liest (womit er nicht unrecht hat)<a href=\"#sdendnote6sym\" id=\"sdendnote6anc\"><sup>vi<\/sup><\/a>, versucht Bookchin, die utopisch-revolution\u00e4ren Potenzialit\u00e4ten \u00abherauszukitzeln\u00bb. Bookchins \u00abutopisches\u00bb Geschichtsverst\u00e4ndnis besagt, dass der Verlauf der Geschichte keineswegs notwendig ist und der heutige Zustand keineswegs alternativlos ist. Das gilt sowohl f\u00fcr die realsozialistische, als auch f\u00fcr die liberale Auslegung des Bauernkriegs. Aus den Ans\u00e4tzen, \u00dcberlegungen, Tr\u00e4umen und Utopien von damals lassen sich Alternativen (re-)konstruieren, wie Gesellschaft \u2013 damals, heute und in Zukunft \u2013 auch aussehen k\u00f6nnte. Anstatt in kapitalistischen Nationalstaaten k\u00f6nnten wir heute auch in Konf\u00f6derationen von freien Kommunen leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Womit zwei wesentliche Stichworte genannt sind: Kommune und Konf\u00f6deration.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Freiheit der Gemeinde<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Gemeinde oder Kommune bedeutet f\u00fcr Blickle die \u00abFreiheit des gemeinen Mannes\u00bb, f\u00fcr Bookchin ist die Kommune die unmittelbarste politische Sph\u00e4re, in der alle Entscheidungen des Zusammenlebens direktdemokratisch getroffen werden. Dabei muss beachtet werden, dass der Bauernkrieg keine Revolution von Individuen war, sondern von kommunalen Kollektiven. Basisdemokratie<a href=\"#sdendnote7sym\" id=\"sdendnote7anc\"><sup>vii<\/sup><\/a> war f\u00fcr die Bauern der gewohnte Modus gesellschaftlicher Aushandlungen. Als Subsistenzwirtschaftende waren sie ge\u00fcbt darin, kollektiv \u00fcber die Nutzung des Landes und der anderen Commons zu entscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine sch\u00f6ne Beschreibung der Kommune liefert Karl-Ludwig Schibel, der sich auf Blickle bezieht und mit Bookchin befreundet war:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abIn den zweieinhalb Jahrhunderten von der Mitte des 13. bis in das fr\u00fche 16. Jahrhundert gelangt die Kommune in der Form der Dorf- und Stadtgemeinde zu hoher Bl\u00fcte, anfangs in einem geduldeten Wechselverh\u00e4ltnis zu der anderen, der feudalen Vergesellschaftungsform. [In der Dorfgemeinde] regeln die Dorfgenossen in der Gemeindeversammlung als Gleichwertige in einem von der feudalen Herrschaft \u00abfreien\u00bb Raum [\u2026] ihre gemeinsamen Angelegenheiten. Im sp\u00e4ten 15. und 16. Jahrhundert ger\u00e4t die Gemeinde in wachsenden Widerspruch zur sich ausbildenden Territorialherrschaft. In der Revolution von 1525, dem Bauernkrieg, kommt es zum epochalen Kampf, in dem die Kommune eine vernichtende Niederlage erleidet.\u00bb<a href=\"#sdendnote8sym\" id=\"sdendnote8anc\"><sup>viii<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>In der Dorfgemeinde organisierten die Bauern \u00abherrschaftsarme R\u00e4ume in Selbstverwaltung\u00bb und in der Gemeindeversammlung hatte jeder Anwesende die gleiche Stimme. \u00abOrdnungsprinzip im Dorf als ganzem war die horizontale Zuordnung von Menschen, die grunds\u00e4tzlich als gleichwertig galten.\u00bb<a href=\"#sdendnote9sym\" id=\"sdendnote9anc\"><sup>ix<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Aus der Tatsache, dass die Gemeindebildung am Ende des Mittelalters (\u00abKommunalisierung\u00bb oder \u00abKommunalismus\u00bb als geschichtstheoretischer Begriff, nicht zu verwechseln mit der politischen Str\u00f6mung des Kommunalismus) mit Aufst\u00e4nden einherging, folgert Peter Blickle, dass es \u00abeine r\u00e4umliche, zeitliche und sachliche Konkordanz von Gemeinde und Widerstand gibt. Der Widerstand ist gewisserma\u00dfen die Fortsetzung der Emanzipation der Gemeinde mit anderen Mitteln.\u00bb<a href=\"#sdendnote10sym\" id=\"sdendnote10anc\"><sup>x<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Im M\u00e4rz 1525 tritt diese Bewegung des Widerstandes, der kommunalen Lebensweise und der Basisdemokratie in zugespitzter Form in Erscheinung: bei den Versammlungen der Bauernhaufen in Memmingen. Bookchin befasst sich eingehend mit den \u00abZw\u00f6lf Artikeln\u00bb, die damals zu Papier gebracht wurden und streicht den basisdemokratischen Gehalt heraus. Die Bauernhaufen seien mit demokratisch gew\u00e4hltem Hauptmann und vier R\u00e4ten genauso organisiert gewesen wie die Dorfkommunen: \u00abDie d\u00f6rfliche Form wurde effektiv auf die geteilte Kommandostruktur der milit\u00e4rischen Kr\u00e4fte projiziert, worin sich die traditionelle Gesellschaft spiegelte, die es zu bewahren galt.\u00bb<a href=\"#sdendnote11sym\" id=\"sdendnote11anc\"><sup>xi<\/sup><\/a> Er bemerkt aber auch, dass es andernorts weitere Artikel gab, die zum Teil radikaler waren, etwa in Sonthofen, im Elsass oder im Tirol (Bauernparlament bei Merano). Manche h\u00e4tten neben Gleichheit vor dem g\u00f6ttlichen Recht auch \u00f6konomische Gleichheit gefordert \u2013 ein Hinweis f\u00fcr Bookchin, dass die damalige Bewegung eben nicht so einfach ins b\u00fcrgerliche Narrativ eingeliedert werden kann. Sie sei \u00abso antibourgeois\u00bb gewesen, \u00abwie sie anti-aristokratisch\u00bb gewesen sei.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinde-Werte: gegenseitige Hilfe und kollektive Landverwaltung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings ist auch Kritik an Bookchins Behandlung des Bauernkriegs in \u00abThe Third Revolution\u00bb angebracht. Er betreibt vor allem Ereignisgeschichte<a href=\"#sdendnote12sym\" id=\"sdendnote12anc\"><sup>xii<\/sup><\/a>, indem er alle Schlachten minuzi\u00f6s aufz\u00e4hlt, entwickelt aber wenig eigene Gedanken dazu. Zwar herrscht diese Erz\u00e4hlweise im gesamten vierb\u00e4ndigen Werk vor, aber beispielsweise in den Teilen zur Russischen oder Spanischen Revolution sind seine geschichtstheoretischen Eigenleistungen viel ausf\u00fchrlicher. Dabei h\u00e4tte Blickle genug Stoff geboten, den Bookchin h\u00e4tte aufgreifen k\u00f6nnen, etwa im Kapitel \u00abDer Gewalt der Gemeinde \u2013 kommunalistische Praxis und republikanische Theorie<em>\u00bb<\/em>, wo er erl\u00e4utert, dass der Bauernkrieg eine Revolution der Kommunen war, und die Macht und Souver\u00e4nit\u00e4t stark bei den Gemeinden verortet. Die Gemeindeautonomie sollte gest\u00e4rkt werden<a href=\"#sdendnote13sym\" id=\"sdendnote13anc\"><sup>xiii<\/sup><\/a>, womit nicht etwa geografische Mentalit\u00e4tsunterschiede oder Eigenheiten gemeint sind, sondern die kollektive Freiheit der Gemeinden gegen\u00fcber der Obrigkeit (Adel und Klerus).<a href=\"#sdendnote14sym\" id=\"sdendnote14anc\"><sup>xiv<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Eine deutlichere Einordnung nimmt Bookchin in seinem Werk \u00abFrom Urbanization to Cities\u00bb vor, dort vor allem in Auseinandersetzung mit der marxistischen Bauernkrieg-Interpretation.<a href=\"#sdendnote15sym\" id=\"sdendnote15anc\"><sup>xv<\/sup><\/a> Er streicht heraus, dass es der Bauernschaft vor allem darum ging, die l\u00e4ndliche Gemeinde (Bookchin verwendet in seinem englischen Text das un\u00fcbersetzte deutsche Wort \u00abGemeinde\u00bb) vor feudalen, kommerziellen und klerikalen \u00dcbergriffen zu bewahren. Will heissen, die \u00aborganischen kommunalen Bindungen\u00bb, das \u00abtraditionelle Dorf-Universum, das althergebrachte Werte, Institutionen und Lebensweisen wie auch Landbesitz umfasste\u00bb. Bemerkenswert ist auch, dass sich Bookchin weniger mit Thomas M\u00fcntzer besch\u00e4ftigt, als es andere (unter anderem marxistische) Autor*innen tun. In M\u00fcntzers \u00abkommunistischen\u00bb Grunds\u00e4tzen sieht Bookchin vor allem b\u00e4uerliche Traditionen wie gegenseitige Hilfe, Gleichheit und kollektiver Land- und G\u00fcterverwaltung artikuliert.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass kollektive Landwirtschaft und Basisdemokratie eng zusammenh\u00e4ngen, erl\u00e4utert ein fr\u00fcherer Bookchin-Text, sein Essay \u00abRadical Agriculture\u00bb. Er besch\u00e4ftigte sich n\u00e4mlich nicht nur aus historischem Interesse am Bauernkrieg mit Landwirtschaft und b\u00e4uerlicher Gemeinschaft, sondern auch aus praktischen Gr\u00fcnden. Schliesslich war das von ihm mitgegr\u00fcndete institute for Social Ecology zeitweise auf einem Bauernhof beheimatet, wo Studierende und Aktivist*innen mit Biolandwirtschaft experimentierten. Der Schluss von \u00abRadical Agriculture\u00bb nimmt die Schlussfolgerung vorweg, die Bookchin in seinen sp\u00e4teren Texten noch genauer untersuchen wird: \u00abDer Kapitalismus begann historisch damit, dass er den Widerstand der traditionellen agrarischen Welt unterminierte und sie in die Marktwirtschaft zwang.\u00bb<a href=\"#sdendnote16sym\" id=\"sdendnote16anc\"><sup>xvi<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Konf\u00f6deration statt Nationalstaat<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite wichtige Begriff neben \u00abKommune\u00bb ist die Konf\u00f6deration. In der \u00abBundesordnung\u00bb, die zeitgleich mit den \u00abZw\u00f6lf Artikeln\u00bb entstand, kommt eine andere Vorstellung von territorialpolitischer Organisierung zum Ausdruck: eine b\u00fcndische oder konf\u00f6deralistische. Auch hier hat Bookchin leider das Potenzial nicht ausgesch\u00f6pft, das bei Peter Blickle vorhanden w\u00e4re. Beipielsweise erw\u00e4hnt Blickle mehrfach das \u00abimperative Mandat\u00bb im Gegensatz zum \u00abfreien Mandat\u00bb<a href=\"#sdendnote17sym\" id=\"sdendnote17anc\"><sup>xvii<\/sup><\/a>, ein eminent wichtiges Begriffspaar f\u00fcr Bookchin. Im Gegensatz zur heutigen, parlamentarischen Demokratie, wo die Repr\u00e4santant*innen das freie Mandat haben (also nicht an den Willen ihrer W\u00e4hler*innen gebunden sind, sondern nur an ihr Amt, und somit ihre Wahlversprechen brechen k\u00f6nnen, ohne dadurch ihr Mandat zu verwirken), gilt in Konf\u00f6derationen das imperative Mandat, das heisst, die Delegierten d\u00fcrfen nur einbringen, was ihnen von ihrer Basis aufgertragen wurde. Ein solches Modell funktioniert beispielsweise in Nord- und Ostsyrien (Rojava). In seinem Werk \u00abFrom Urbanization to Cities\u00bb, eines seiner Hauptwerke, setzt sich Bookchin intensiv mit Konf\u00f6derationen auseinander, die im Verlauf der Geschichte immer wieder gebildet wurden. Schade, dass er beispielsweise nicht das dreistufige, konf\u00f6deral organisierte Modell<a href=\"#sdendnote18sym\" id=\"sdendnote18anc\"><sup>xviii<\/sup><\/a> erw\u00e4hnt, das zur Zeit des Bauernkrieg in den betreffenden Gebieten verbreitet war und strukturelle Analogien zum Modell von Rojava aufwies.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in einem sp\u00e4teren Buch (das nach \u00abThe Third Revolution\u00bb erschien), das den Titel \u00abKommunalismus. Skizzen einer gesellschaftlichen Organisationsform\u00bb tr\u00e4gt, macht Peter Blickle zahlreiche Aussagen, die nahtlos in Bookchins Konzeption passen w\u00fcrden. Es w\u00fcrde sich anbieten, dieses zweib\u00e4ndige Werk aus der Perspektive von Bookchin zu lesen. Auch wenn Blickle \u00abKommunalismus\u00bb ausschliesslich als Epochenbegriff verstanden haben will, gibt er zahlreiche Beispiele daf\u00fcr, wie Kommunalismus beziehungsweise Konf\u00f6deralismus als politische Praxis funktioniert, etwa anhand des Walliser Landrats, der sich aus Vertretern der Gemeinden zusammensetzte.<a href=\"#sdendnote19sym\" id=\"sdendnote19anc\"><sup>xix<\/sup><\/a> Die Gemeindeversammlung wiederum sei souver\u00e4n in ihren Entscheidungen gewesen; sie habe die \u00abunbegrenzte Zust\u00e4ndigkeit der Gemeindeversammlung im kommunalen Raum\u00bb genossen.<a href=\"#sdendnote20sym\" id=\"sdendnote20anc\"><sup>xx<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Blickles und Bookchins Darstellungen n\u00e4hern sich einander an, wo sie den Ausgang des Bauernkrieges thematisieren. \u00abDie Geschichte der Aufl\u00f6sung des Kommunalismus ist eine solche der zunehmenden Verstaatlichung und Individualisierung Europas\u00bb<a href=\"#sdendnote21sym\" id=\"sdendnote21anc\"><sup>xxi<\/sup><\/a>, schreibt Blickle \u2013 Bookchin h\u00e4tte es wohl ganz \u00e4hnlich formuliert. Das Verh\u00e4ltnis Gemeinde-B\u00fcrger (im Sinn von Gemeindemitglied) wich immer mehr dem Verh\u00e4ltnis Staat-Untertan<a href=\"#sdendnote22sym\" id=\"sdendnote22anc\"><sup>xxii<\/sup><\/a>. Beide betonen, dass der Verlauf der Geschichte nicht zwangsl\u00e4ufig war \u2013 es h\u00e4tte auch anders kommen k\u00f6nnen. Blickle sieht in den \u00abChristlichen Vereinigungen\u00bb und \u00abLandschaften\u00bb der Bauernkriegs-Zeit \u00abModelle<\/p>\n\n\n\n<p>einer neuen Gesellschafts- und Herrschaftsordnung\u00bb<a href=\"#sdendnote23sym\" id=\"sdendnote23anc\"><sup>xxiii<\/sup><\/a>. Karl-Ludwig Schibel sieht im Bauernkrieg ebenfalls einen Widerstand gegen \u00abdie Herausbildung des zentralisierten Territorialstaates\u00bb.<a href=\"#sdendnote24sym\" id=\"sdendnote24anc\"><sup>xxiv<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Am Scheideweg \u2013 damals wie heute<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>2024 sind einige B\u00fccher zum Bauernkrieg erschienen, die insofern zu kritisieren sind, als sie den revolution\u00e4ren Gehalt des Bauernkriegs eher herunterspielen.<a href=\"#sdendnote25sym\" id=\"sdendnote25anc\"><sup>xxv<\/sup><\/a> Sie gehen in dieser Hinsicht hinter Bookchin und Blickle zur\u00fcck. Ihrer Ansicht nach war ein Grossteil der Bauern f\u00fcr Reformen, nicht f\u00fcr Revolution. Aber das ist, um mit Bookchin zu sprechen, die Sichtweise des \u00abSo war es\u00bb, welche die damals real existierenden Potenzialit\u00e4ten (\u00abso k\u00f6nnte es sein\u00bb) \u00fcbert\u00fcncht. Aktualisiert hat sich (leider) ein Geschichtsverlauf, der sich sp\u00e4ter zum Nationalstaatentum, zu repr\u00e4sentativer Demokratie und individualistischem Liberalismus verdichtete. Ein latentes Potenzial, das damals real bestand, wird dabei \u00fcbersehen: \u00abb\u00fcndische\u00bb, \u00abkorporative\u00bb (Blickle), oder in Bookchins Terminologie \u00abkonf\u00f6deralistische\u00bb (oder \u00abkommunalistische\u00bb<a href=\"#sdendnote26sym\" id=\"sdendnote26anc\"><sup>xxvi<\/sup><\/a>) Gesellschaftsentw\u00fcrfe h\u00e4tten sich genausogut aktualisieren k\u00f6nnen. Bookchin und Blickle geben genug Beispiele daf\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Niederlage der Bauern kann deshalb als Scheideweg zwischen alternativen Gesellschaftsmodellen gewertet werden. Nach der Niederlage der B\u00e4uerlichen war der Weg \u2013 leider \u2013 frei f\u00fcr den Siegeszug von Nationalstaat, Parlamentarismus und kapitalistischer Marktwirtschaft. Vorbei war die b\u00e4uerliche Selbstbestimmung, angesagt war die Unterordnung der Gemeinde unter den absolutistischen deutschen F\u00fcrstenstaat.<a href=\"#sdendnote27sym\" id=\"sdendnote27anc\"><sup>xxvii<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Utopien von 1525 k\u00f6nnen aber heutigen Linken Impulse und Motivation geben, um die aktuelle Situation der kapitalistischen Moderne zu schw\u00e4chen und auf eine demokratische Moderne hinzuarbeiten. Was Karl-Ludwig 1985 schrieb, also vor genau 40 Jahren, klingt heute sehr zeitgem\u00e4ss: \u00ab\u00c4hnlich wie die europ\u00e4ische Gesellschaft des ausgehenden Mittelalters [\u2026] stehen auch wir an einem Wendepunkt, und \u00e4hnlich wie bei ihnen mehren sich bei uns die Zeichen nahenden Unheils. Wie sich herausstellen sollte, entsprang das Unheil, das 1525 die Bauern ereilte, keiner grausamen Natur, sondern der sich organisierenden Territorialherrschaft [\u2026]. Welche Alternativen es zu diesen Entwicklungen gab, ist heute eine m\u00fc\u00dfige \u00dcberlegung, zwangsl\u00e4ufig und unvermeidlich waren sie sicher nicht.\u00bb<a href=\"#sdendnote28sym\" id=\"sdendnote28anc\"><sup>xxviii<\/sup><\/a> Die heutige Gesellschaft leide unter dem, was durch die Zerst\u00f6rung der Kommune verlorengegangen sei: \u00abdie F\u00e4higkeit, selbstt\u00e4tig im Umgang mit anderen die gemeinsamen Angelegenheiten zu organisieren und wahrzunehmen.\u00bb<a href=\"#sdendnote29sym\" id=\"sdendnote29anc\"><sup>xxix<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Um mit den Worten von Murray Bookchin zu schliessen: \u00abDas 14. und 15. Jahrhundert markierte m\u00f6glicherweise einen einzigartigen Wendepunkt f\u00fcr die westliche Menschheit. Die Geschichte schien an einem Wendepunkt angelangt zu sein: Die Gesellschaft konnte sich immer noch f\u00fcr einen Weg entscheiden, der zu einer bescheidenen Befriedigung der Bed\u00fcrfnisse auf der Grundlage von Komplementarit\u00e4t und der Gleichheit von Ungleichen f\u00fchrte. Oder es k\u00f6nnte sich in den Kapitalismus mit seiner Regel der \u00c4quivalenz und der Ungleichheit der Gleichen katapultieren, die beide durch den Warentausch und einen Kanon \u203aunbegrenzter Bed\u00fcrfnisse\u2039 verst\u00e4rkt werden, dem \u203aknappe Ressourcen\u2039 gegen\u00fcberstehen.\u00bb<a href=\"#sdendnote30sym\" id=\"sdendnote30anc\"><sup>xxx<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote1anc\" id=\"sdendnote1sym\">i<\/a> Geschichte wird in der Regel von den Siegern geschrieben. Die Geschichtsschreibung der Sieger suggeriert, dass die Bauern quasi selber schuld an ihrer Niederlage waren. Ihre Anliegen seien r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt und deshalb unzeitgem\u00e4ss und unrealistisch gewesen. Dem widerspricht Karl-Ludwig Schibel, ein Freund Bookchins. Er h\u00e4lt die Sichtweise, dass die Forderung der Bauern 1525 nach der Wiederherstellung des \u00abAlten Rechts\u00bb r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt war, f\u00fcr falsch. Im Gegenteil, sie habe in die Zukunft gewiesen: \u00abDie Bauern verharrten nicht im Vergangenen oder Bestehenden. In einem kurzen, sehr intensiven Lernproze\u00df wandelte sich ihre Klage auf das Alte Recht zu einer \u00abErinnerung nach vorw\u00e4rts\u00bb.\u00bb (Karl-Ludwig Schibel: Das alte Recht auf die neue Gesellschaft. Zur Sozialgeschichte der Kommune seit dem Mittelalter (1985), S. 28).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote2anc\" id=\"sdendnote2sym\">ii<\/a> Peter Blickle: Die Revolution von 1525 (1975)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote3anc\" id=\"sdendnote3sym\">iii<\/a> Sowohl der Begriff \u00abBauern\u00bb als auch der Begriff \u00abKrieg\u00bb ist laut Peter Blickle eigentlich nicht zutreffend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote4anc\" id=\"sdendnote4sym\">iv<\/a> Eine bessere Formulierung w\u00e4re \u00abRevolution der gemeinen Leute\u00bb oder einfach \u00abRevolution der Gemeinen\u00bb. Mit \u00abGemeinen\u00bb waren die Untertanen gemeint, die zu 90 Prozent aus b\u00e4uerlichen Menschen bestanden. Florian Hurtig schl\u00e4gt den Begriff \u00abdie B\u00e4uerlichen\u00bb vor (500 Jahre Bauernkriege, 2025).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote5anc\" id=\"sdendnote5sym\">v<\/a> Peter Blickle: Deutsche Untertanen. Ein Widerspruch. (1981)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote6anc\" id=\"sdendnote6sym\">vi<\/a> Blickle nennt den Kommunalismus den \u00abWegbereiter des modernen Staates\u00bb (Kommunalismus II, S. 382), was Bookchins Argumentation zuwiederl\u00e4uft. Die beiden treffen sich aber in der Feststellung, dass das Kommunals als \u00abUrgestein des Politischen\u00bb zu sehen ist (ibid.). Aussderdem relativiert Blickle: \u00abDamit soll keine Kontinuit\u00e4tsthese von Kommunalismus zum Parlamentarismus, von der Gemeinde zum Staat herbeigeschrieben werden.\u00bb (ibid.). Bookchin stellt freilich einen absoluten Gegensatz zwischen Gemeinde und Staat her.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote7anc\" id=\"sdendnote7sym\">vii<\/a> Siehe auch folgender Text der kampagne \u00ab500 Jahre Widerstand\u00bb: <a href=\"https:\/\/500jahre.org\/2025\/03\/22\/basisdemokratie-gegen-neo-feudalismus-zum-500-jahrestag-der-zwoelf-artikel\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/500jahre.org\/2025\/03\/22\/basisdemokratie-gegen-neo-feudalismus-zum-500-jahrestag-der-zwoelf-artikel\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote8anc\" id=\"sdendnote8sym\">viii<\/a> Karl-Ludwig Schibel: Das alte Recht auf die neue Gesellschaft. Zur Sozialgeschichte der Kommune seit dem Mittelalter (1985), S. 10f.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote9anc\" id=\"sdendnote9sym\">ix<\/a> Ibid., S. 41f.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote10anc\" id=\"sdendnote10sym\">x<\/a> Peter Blickle: Die Gemeindereformation, S. 186.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote11anc\" id=\"sdendnote11sym\">xi<\/a> \u00dcbersetzung: NfK. Murray Bookchin: From Urbanization to Cities, AK Press 2021, S. 169.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote12anc\" id=\"sdendnote12sym\">xii<\/a>An dieser Stelle darf betont werden: Aus didaktischer Sicht kann Bookchins Schilderung des Bauernkriegs locker mit heutigen Werken mithalten oder \u00fcbertrifft sie sogar in Bezug auf Verst\u00e4ndlichkeit und \u00dcbersichtlichkeit \u2013 und dies auf relativ wenigen Seiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote13anc\" id=\"sdendnote13sym\">xiii<\/a>Peter Blickle: Der Bauernkrieg (1989), S. 99.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote14anc\" id=\"sdendnote14sym\">xiv<\/a> An Bookchins Darstellung des Bauernkriegs in \u00abThe Third Revolution\u00bb kann ferner kritisiert werden, dass er den Ausgang allzu negativ sah (\u00abThe princes achieved the absolute power they sought, while none of the peasants&#8216; demands were met.\u00bb, Band I, S. 59 \u2013 eine diskussionsw\u00fcrdige Aussage.) Sein Fazit (ibid.): \u00abIn any case, the defeat of the peasants and the steady erosion of their democratic village communes foreclosed the possibility of a populist confederal German nation.\u00bb Was schliesslich, Jahrhunderte sp\u00e4ter, zum Autoritarismus des 19. und 20. Jahrhunderts gef\u00fchrt habe. In \u00abFrom Urbanization to Cities\u00bb (AK Press, 2021, S. 170; Erstausgabe 1987 unter dem Titel \u00abThe Rise of Urbanization and the Decline of Citizenship\u00bb) klingt er weniger negativ. Dort betont er eher das verpasste Potenzial und ruft uns dazu auf, uns mit der Geschichte zu besch\u00e4ftigen. Die Frage nach Konf\u00f6deralismus oder Nationalismus, Dezentralismus oder Zentralismus, libert\u00e4re Institutionen oder autorit\u00e4re, sei heute noch genauso brennend wie im 16. Jahrhundert, als die erschreckende Zukunft, auf die wir heute zusteuern (Atomkrieg, Umweltzerst\u00f6rung) noch in weiter Ferne lag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote15anc\" id=\"sdendnote15sym\">xv<\/a> Murray Bookchin: From Urbanization to Cities, AK Press 2021, S. 168\u2013170.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote16anc\" id=\"sdendnote16sym\">xvi<\/a> \u00dcbersetzung: NfK. <a href=\"https:\/\/theanarchistlibrary.org\/library\/murray-bookchin-radical-agriculture\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/theanarchistlibrary.org\/library\/murray-bookchin-radical-agriculture<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote17anc\" id=\"sdendnote17sym\">xvii<\/a> z. B. hier: Peter Blickle: Die Gemeindereformation, S. 195.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote18anc\" id=\"sdendnote18sym\">xviii<\/a> Peter Blickle: Die Revolution von 1525, S. 193: \u00abDar\u00fcber ging die Revolution in der Tat weit hinaus, weil sie eine Alternative ansatzweise entwickelte: die korporativ-b\u00fcndische Verfassung, die in Oberschwaben, dem deutschen S\u00fcdwesten und dem Eisa\u00df funktionierende l\u00e4ndliche und st\u00e4dtische Gemeinden in Haufen zusammenfa\u00dfte, diesen \u00fcber ihre milit\u00e4rischen Aufgaben hinaus eine politische Funktion zuwies und sie schlie\u00dflich f\u00f6derativ im Bund der Christlichen Vereinigung zusammenf\u00fchrte. Konstruktiv war in diesem dreistufigen Staat die Konzeption des \u00abHaufens\u00bb, der \u00fcberterritorialen milit\u00e4risch-politischen Institution, die der Sache nach neu war, wie auch die hilflose Begriffswahl zeigt; die gemeindlich \u2013 genossenschaftliche Grundlage erwuchs aus lebendigen Traditionen, der b\u00fcndische Gedanke war vorgepr\u00e4gt in der Eidgenossenschaft, in den St\u00e4dteb\u00fcnden, im Schw\u00e4bischen Bund.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote19anc\" id=\"sdendnote19sym\">xix<\/a> Peter Blickle: Kommunalismus I, S. 156: \u00abDeren Vertreter treten als nuntii, Ratsboten und Gesandte in Erscheinung und verf\u00fcgtten \u00fcber ein imperatives Mandat. Erst die Zustimmung der Korporationen, welche die Boten delegiert hatten, verlieh einem Abschied Rechtskraft.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote20anc\" id=\"sdendnote20sym\">xx<\/a> Peter Blickle: Kommunalismus II, S. 137.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote21anc\" id=\"sdendnote21sym\">xxi<\/a> Peter Blickle: Kommunalismus II, S. 360.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote22anc\" id=\"sdendnote22sym\">xxii<\/a> Peter Blickle: Kommunalismus II, S. 362.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote23anc\" id=\"sdendnote23sym\">xxiii<\/a> Peter Blickle: Die Revolution von 1525, S. 147.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote24anc\" id=\"sdendnote24sym\">xxiv<\/a> Karl-Ludwig Schibel: Das alte Recht auf die neue Gesellschaft. Zur Sozialgeschichte der Kommune seit dem Mittelalter (1985), S. 63.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote25anc\" id=\"sdendnote25sym\">xxv<\/a> Andererseits greift z. B. Lyndal Roper \u00f6kologische und Commons-Aspekte auf, die im Zusammenhang mit Bookchin sehr interessant w\u00e4ren. Auch die basisdemokratischen Aspekte spielen bei ihr eine Rolle. (Lyndal Roper: F\u00fcr die Freiheit. Der Bauernkrieg 1525 (2024) bzw. Lyndal Roper: Summer of Fire and Blood (2025) Gerd Schwerhoff verabschiedet sich von der Vorstellung, dass in den \u00abZw\u00f6lf Artikeln\u00bb so etwas wie ein basisdemokratischen Meinungsbildungsprozess zu erkennen sei. (Gerd Schwerhoff: Der Bauernkrieg, 2024).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote26anc\" id=\"sdendnote26sym\">xxvi<\/a> Peter Blickle unterscheidet \u2013 \u00e4hnlich wie Bookchin \u2013 a) die Gemeinde als selbst-konstituierten, willentlichen Zusammenschluss und b) die Gemeinde als unterste Verwaltungseinheit des Staates. Wenn von Kommunalismus die Rede ist, egal ob als geschichtstheoretischer oder als politischer Begriff, kann \u00abKommune\u00bb nur im ersten Sinn gemeint sein. Wie Blickle schreibt: \u00abKommunalismus entsteht dort, wo Arbeit und Siedlung konvergieren. Daraus entwickelt sich die Organisation von Alltag. Was sonst an Funktionen in der Gemeinde wahrgenommen wird, dient der Gew\u00e4hrleistung und Sicherstellung von Herrschaft und ist f\u00fcr den Begriff der Gemeinde irrelevant, weil diese Leistungen auch ohne Gemeinde erbracht w\u00fcrden. Wo nur herrschaftliche Anspr\u00fcche gesichert werden, mag in den Quellen von Gemeinde die Rede sein, kommunalistisch darf man sie jedoch nicht nennen.\u00bb (Peter Blickle, Kommunalismus II, S. 362).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote27anc\" id=\"sdendnote27sym\">xxvii<\/a> Karl-Ludwig Schibel: Das alte Recht auf die neue Gesellschaft. Zur Sozialgeschichte der Kommune seit dem Mittelalter (1985), S. 95.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote28anc\" id=\"sdendnote28sym\">xxviii<\/a> Karl-Ludwig Schibel: Das alte Recht auf die neue Gesellschaft. Zur Sozialgeschichte der Kommune seit dem Mittelalter (1985), S. 15.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote29anc\" id=\"sdendnote29sym\">xxix<\/a> Ibid. S. 286.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote30anc\" id=\"sdendnote30sym\">xxx<\/a> Murray Bookchin: Die \u00d6kologie der Freiheit. Unrast, 2025, S. 325f.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Deutsche Bauernkrieg spielt eine wichtige Rolle in der revolution\u00e4ren Geschichtskonzeption von Murray Bookchin. Die Aufst\u00e4nde markierten einen Wendepunkt: Soll die Gesellschaft auf der direktdemokratischen Kommune aufbauen, in der Gleichwertige ihre Bed\u00fcrfnisse erf\u00fcllen, oder soll die Macht im kapitalistischen Staat zentralisiert werden? 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