{"id":1214,"date":"2025-07-28T12:06:12","date_gmt":"2025-07-28T12:06:12","guid":{"rendered":"https:\/\/kommunalismus.org\/?p=1214"},"modified":"2025-07-28T12:06:12","modified_gmt":"2025-07-28T12:06:12","slug":"ein-grundlagenwerk-der-oekologie-das-stetig-weiterentwickelt-werden-soll","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kommunalismus.org\/?p=1214","title":{"rendered":"Ein Grundlagenwerk der \u00d6kologie \u2013 das stetig weiterentwickelt werden soll"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Die \u00d6kologie der Freiheit (1982) von Murray Bookchin liegt erstmals in vollst\u00e4ndiger deutscher \u00dcbersetzung vor. Im Nachgang zu einer Onlineveranstaltung Ende Juni 2025 haben wir Dr. Maurice Schuhmann, dem \u00dcbersetzer der bisher fehlenden Teile, einige Interviewfragen gestellt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die \u00d6kologie der Freiheit <\/em>von Murray Bookchin stellt die Annahme, dass der Mensch \u201edie Natur beherrschen muss\u201c, um \u00fcberleben zu k\u00f6nnen, radikal infrage und entlarvt sie als Folge der Herrschaft des Menschen \u00fcber den Menschen. Das Buch beschreibt anhand von anthropologischen Erkenntnissen, wie Herrschaft, Patriarchat und kapitalistisch-instrumentelle Naturverwertung entstanden sind und wie sich ihr Erbe bis heute durch die Geschichte zieht. Aber es zeigt auch eine hoffnungsvolle Gegenseite der Freiheit, der Basisdemokratie und der \u00f6kologischen Sensibilit\u00e4t auf, die sich z. B. in indigenem Wissen und in Widerstandsk\u00e4mpfen manifestiert. Die soziale \u00d6kologie, wie sie von Murray Bookchin konzipiert wurde, hat viele \u00f6kologische und emanzipatorische Bewegungen mitbeeinflusst und wird bis heute weiterentwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas Buch ist gut gealtert, wenn es \u00fcberhaupt gealtert ist\u201c, sagte Dr. Maurice Schuhmann an der Onlineveranstaltung vom 27. Juni 2025. Es sei sogar aktueller als viele heutige Ans\u00e4tze von \u00f6kologischen Bewegungen, die beispielsweise bei der Forderung nach weniger Strassen oder steuerlichen Anreizen f\u00fcr Emissionsreduktion stehen blieben. W\u00e4hrend ein oberfl\u00e4chlicher \u201eUmweltschutz\u201c das Gesellschaftliche ausblendet, h\u00e4lt Bookchin eine soziale Revolution f\u00fcr unabdingbar \u2013 und skizziert auch eine Vorstellung davon, wie eine \u00f6kologische Gesellschaft aussehen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Maurice Schuhmann betonte aber zugleich, dass Bookchin kein \u201eS\u00e4ulenheiliger\u201c und die \u00d6kologie der Freiheit nicht die \u201eneue Bibel der \u00d6kologiebewegung\u201c sei. Bookchin stelle kein Konzept vor, wie von heute auf morgen eine \u00f6kologische Gesellschaft entstehen k\u00f6nne. Die \u00d6kologie der Freiheit sei vielmehr ein Werk, das Anregungen und Ideen biete, im Sinn eines Werkzeugkastens, aber geradezu danach verlange, dass es von aktuellen Bewegungen aktualisiert und weiterentwickelt werde.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben Dr. Maurice Schuhmann gebeten, einige zus\u00e4tzliche Fragen zu beantworten.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:34px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-x-large-font-size\">Interview mit Dr. Maurice Schuhmann<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\" style=\"margin-right:0;margin-left:0\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"446\" height=\"599\" src=\"https:\/\/kommunalismus.org\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/schuhmann.jpg\" alt=\"Portraitbild Dr. Maurice Schuhmann\" class=\"wp-image-1215\" style=\"width:168px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/kommunalismus.org\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/schuhmann.jpg 446w, https:\/\/kommunalismus.org\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/schuhmann-223x300.jpg 223w\" sizes=\"auto, (max-width: 446px) 100vw, 446px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>An der Onlineveranstaltungen bezeichneten Sie Murray Bookchin als \u201eUtopisten im positiven Sinn\u201c. K\u00f6nnen Sie das erl\u00e4utern?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe den Zusatz \u201eim positive Sinne\u201c gebraucht, weil ich h\u00e4ufig erlebe, dass der Begriff Utopist*in einen abwertenden Beigeschmack hat. Utopisch wird gleichgesetzt mit weltfremd und vertr\u00e4umt bzw. die Realit\u00e4t verkennend. Gleichzeitig hat der Begriff Utopie aber auch jene Ebene des Vision\u00e4ren, d.h. auf die praktische Ver\u00e4nderung des Bestehenden ausgerichtete Ebene \u2013 also eine Utopie im positiven Verst\u00e4ndnis. Im Sinne des deutsch-j\u00fcdischen Anarchisten Gustav Landauer k\u00f6nnte man sagen, dass die Utopie danach strebt zur Topie zu werden bzw. als Topie verwirklicht zu werden. In diesem Sinne m\u00f6chte ich Bookchin verstanden sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Salopp k\u00f6nnte man die von Friedrich Engels im pejorativen Sinne genutzte Unterscheidung zwischen utopischen und wissenschaftlichen Sozialismus aus dem <em>Anti-D\u00fchring<\/em> anf\u00fchren, die an sich zwar schon fehlerhaft ist, aber sich als Bild zur Darstellung dessen anbietet.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Begriff Sozialismus als zuk\u00fcnftige Gesellschaftsordnung ist eine Utopie. Dem Adjektiv \u201eutopisch\u201c h\u00e4ngt hierbei die negative Bedeutung von vertr\u00e4umt und realit\u00e4tsfern an, d.h. dass, was gemeinhin mittlerweile mit Utopie assoziiert wird, dem gegen\u00fcber steht der wissenschaftliche Sozialismus, bei dem \u201ewissenschaftlich\u201c synonym f\u00fcr rational und realistisch steht. Bookchin ist in dem Sinne kein Tr\u00e4umer, sondern ein rationaler und reflektierter Geist, der aus Basis fundierter Analyse (\u201eWissenschaft\u201c) eine Vision einer k\u00fcnftigen, sozial\u00f6kologischen Gesellschaftsordnung denkt, die aber kein reines Wolkenkuckucksheim ist, sondern eine denk- und umsetzbare Vision.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was meinte Bookchin mit einer \u201erationalen Gesellschaft\u201c?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Murray Bookchin versteht unter einer \u201erationalen Gesellschaft\u201c, ein zugegebenermassen missverst\u00e4ndlicher Begriff, eine Gesellschaftsform, die auf kooperativen, egalit\u00e4ren und \u00f6kologisch verantwortlichen Prinzipien basiert \u2013 im Gegensatz zur heutigen hierarchischen und ausbeuterischen Ordnung. Es sind in Bezug auf das kooperative und egalit\u00e4re Element Aspekte, die sich ideengeschichtlich zwar bereits bei Denkern wie dem russischen Anarchisten Peter Kropotkin (<em>Anarchistische Ethik<\/em>, <em>Gegenseitige Hilfe in Mensch- und Tierwelt<\/em>) finden, aber bei Bookchin werden diese noch um eine \u00f6kologische Perspektive erg\u00e4nzt. Zudem fundiert er diese Perspektive in einem multidisziplin\u00e4ren Ansatz, der Ethnologie, Philosophie, Politikwissenschaft, Soziologie und Aspekte der Theologie miteinander verbindet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Inwiefern geht Bookchin weiter als des Marxismus, wenn er \u00fcber Klassen und Herrschaftsverh\u00e4ltnisse spricht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der klassische Marxismus mit seiner Fokussierung auf einen Hauptwiderspruch zwischen Kapital und Arbeit ist sehr eindimensional und begreift Herrschaftsverh\u00e4ltnisse lediglich unter \u00f6konomischen Gesichtspunkten. Bookchin hat hingegen eine breitere, historisch und anthropologisch fundierte Theorie von Hierarchie, die \u00fcber die rein-\u00f6konomische Ebene hinaus reicht. Gerade seine Reflexion \u00fcber die Entstehung von Hierarchien und deren Erbe ist sehr erhellend \u2013 nicht nur f\u00fcr eine anarchistische Perspektive auf die Welt. Er thematisiert in diesem Kontext die tiefe kulturelle Verankerung von Herrschaftsverh\u00e4ltnissen, die \u00fcber \u201ereine\u201c Klassenstrukturen hinausreichen und bietet intersektional Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr die Analyse von Herrschaftsverh\u00e4ltnissen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>W\u00fcrden Sie Bookchin als intersektionellen und feministischen Autor bezeichnen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage l\u00e4sst sich nicht so einfach beantworten. Der heutige Begriff von Intersektionalit\u00e4t ist noch relativ jung. Es ist schwer mit dem Wissen und dem Anspruch von heute an Denker aus der Vergangenheit heranzutreten. Bookchin war sicherlich ein Kind seiner Zeit \u2013 und war f\u00fcr seine Zeit sehr emanzipatorisch, aber er war auch kein \u201e\u00dcberheld\u201c, der bereits die Vielfalt von Ans\u00e4tzen, die erst sp\u00e4ter entstanden und sich auch st\u00e4ndig weiterentwickeln, vorauszuahnen. Das w\u00e4re auch zu viel erwartet.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus heutiger Sicht wird gerne kritisiert, dass er kolonial gepr\u00e4gte Begriffe in seinem Werk verwendet \u2013 z.B. das I-Wort. Heute w\u00fcrde er darauf sicherlich verzichten. Dementsprechend wurde bei der Neuausgabe von <em>Die \u00d6kologie der Freiheit <\/em>drauf geachtet, diese Begriffe soweit es geht, durch wertneutrale, nicht-koloniale bzw. nicht-rassistische Begriffe zu ersetzen. Es ist nicht immer m\u00f6glich, weil die deutsche Sprache f\u00fcr manche kolonial-gepr\u00e4gten Fachbegriffe wie z.B. \u201eH\u00e4uptling\u201c (chieftain) noch keine Alternativen zu bieten hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso muss man nat\u00fcrlich sagen, dass Bookchin vorrangig den europ\u00e4isch-amerikanischen Blickwinkel reproduziert, in dem er Autor*innen aus diesem Diskurs zitiert. Das ist fast schon ein Totschlagargument in manchen Kreisen und l\u00e4sst sich auf fast jede*n Autor*in der Linken anwenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Hierbei m\u00f6chte ich aber auch darauf verweisen, dass der Zugang zu nicht-europ\u00e4ischen Quellen damals sehr, sehr schwer war und auch heute nicht wirklich als gut zu bezeichnen ist. Ich kenne es aus eigener Forschungs- und Lehrpraxis, wie schwer es ist, ad\u00e4quate Texte aus anderen Kulturkreisen f\u00fcr universit\u00e4re Seminare bzw. in den von Studierenden gelesenen Sprachen zu finden. Es ist hier noch viel Grundlagen-, \u00dcbersetzungs- und Publikationsarbeit n\u00f6tig, um den Diskurs zu ver\u00e4ndern \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Was den Feminismus angeht, ist das vielleicht schon naheliegender ihn als einen Feministen zu bezeichnen. Seine langj\u00e4hrige Weggef\u00e4hrtin Janet Biehl hat ihm gar \u2013 allerdings f\u00e4lschlicherweise \u2013 angedichtet, den Begriff \u00d6kofeminismus begr\u00fcndet zu haben. Sein Werk ist von einer fundierten Patriarchatskritik und dem Gedanken der Gleichberechtigung der Geschlechter \u2013 damals noch dichotomisch in biologischen Geschlechtern gedacht \u2013 durchzogen. Man k\u00f6nnte anekdotenhaft sagen, dass Bookchin das Fourier\u2018sche Postulat, dass die Freiheit einer Gesellschaft sich am Grad der Befreiung der Frau misst, verinnerlicht hat. Zur Kenntnis genommen hat er Charles Fourier auf jeden Fall. Er wird in der <em>\u00d6kologie <\/em><em>der <\/em><em>F<\/em><em>reiheit <\/em>mehrfach positiv erw\u00e4hnt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Insbesondere Blair Taylor hat j\u00fcngst im Harbinger Journal aus einer sozial-\u00f6kologischen Perspektive \u00fcber Bookchins Auseinandersetzung mit den Themen Rassismus und Kolonialit\u00e4t geschrieben und auch seine Auslassungen beleuchtet. Wo l\u00e4sst sich in<\/strong><em><strong> Die \u00d6kologie der Freiheit <\/strong><\/em><strong>an <\/strong><strong>heutige Debatten ankn\u00fcpfen? L\u00e4sst sich der Text mit einer postkolonialen Brille gewinnbringend lesen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, ich denke, dass Bookchin in Bezug auf seine Hierarchiekritik eine Vielzahl von Ankn\u00fcpfungspunkten f\u00fcr die Auseinandersetzung mit Rassismus und Kolonialit\u00e4t bietet. Sowohl Rassismus als auch Kolonialismus sind Systeme, die auf hierarchischen Ordnungssystem beruhen, die es zu durchschauen, zu delegitimieren und abzuschaffen gilt. Die von ihm untersuchte Funktionsweise von Hierarchie w\u00e4re ein konkreter Ankn\u00fcpfungspunkt f\u00fcr Rassismus-kritische und postkoloniale Diskurse.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Ankn\u00fcpfungspunkt ist der Diskurs \u00fcber die \u201eNatur\u201c. Sowohl Rassismus als auch Kolonialismus basieren auf einem Narrativ einer nat\u00fcrlichen Ordnung, was durch Bookchin sehr gut widerlegt werden kann. Das w\u00e4ren zwei Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr eine antirassistische und postkoloniale Lekt\u00fcre seines Werkes. Daneben gilt es auch zu beachten, dass er sein Werk nicht als abgeschlossen und feststehende Ideologie verstanden hat, sondern als Diskussionsansatz und Grundlage f\u00fcr eine Weiterentwicklung.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem Sinne w\u00e4re Bookchin vielleicht als Teil eines Fundaments zu sehen, was um postkoloniale und antirassistische Perspektiven erg\u00e4nzt werden muss, um es f\u00fcr heutige Diskurse und Praxis der gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen anzupassen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welchen Nutzen k\u00f6nnen heutige, radikale \u00d6kologiebewegungen aus der \u00d6kologie der Freiheit ziehen, wie k\u00f6nnen sie Bookchins Ideen weiterdenken und f\u00fcr die aktuelle Situation fruchtbar machen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Werk von Bookchin bietet meiner Einsch\u00e4tzung nach eine Vielzahl von Ankn\u00fcpfungspunkten f\u00fcr radikale \u00d6kologiebewegungen \u2013 sowohl theoretischer als auch \u201epraktischer\u201c Natur, von denen ich nur drei anreissen m\u00f6chte, die mir pers\u00f6nlich als besonders relevant erscheinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Punkt ist f\u00fcr mich, dass Bookchin eine Gesellschaftsordnung skizziert, die auf Prinzipien von \u00d6kologie, Freiheit und Selbstverwaltung basiert. Ich denke, dass vielen Bewegten und der Bewegung als solches eine positive Vision einer Gesellschaft fehlt, in der Freiheit und \u00d6kologie miteinander einhergehen und die h\u00e4ufig zur Parole verkommene Vision einer befreiten Gesellschaft ohne Ausbeutung von Mensch und Natur greifbar macht. Die meisten K\u00e4mpfe sind derzeit nur noch Abwehrk\u00e4mpfe \u2013 ohne Visionen einer anderen Gesellschaft oder wenn es Visionen gibt, dann sind diese meist sehr schwammig und durchzogen von klassischen Phrasen. Man verliert dabei schnell das eigentliche Ziel der K\u00e4mpfe aus den Augen \u2013 n\u00e4mlich eine sozial\u00f6kologische Gesellschaft aufzubauen und nicht nur hier ein Waldst\u00fcck zu retten und dort ein Kreuzfahrtschiff zu blockieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Eng verkn\u00fcpft hiermit ist die Vorstellung, dass Gesellschaftskritik und \u00d6kologie Hand in Hand gehen muss. Der Umgang des Menschen mit der Natur findet in der Gesellschaft im Umgang unter den Menschen sein \u00c4quivalent. Der \u00f6kologischen Problematik kann sich daher nicht rein naturwissenschaftlich bzw. technisch gen\u00e4hert werden, sondern wir brauchen einen interdisziplin\u00e4ren Zugang, um die aktuellen Probleme, Herausforderungen und Krisen zu h\u00e4ndeln und zu l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und Drittens halte ich Bookchin mit seiner fundierten Kritik an der Tiefen\u00f6kologie f\u00fcr ein wichtiges Korrektiv in der derzeitigen \u00d6kologie- und Klimabewegung, wo ich in den letzten Jahren eine Renaissance tiefen\u00f6kologischer Ans\u00e4tze wahrnehme \u2013 z.B. bei Extinction Rebellion oder auch in einzelnen \u00f6kofeministischen Gruppen. Bookchin selber hat in seiner Abgrenzung zur Tiefen\u00f6kologie erkl\u00e4rt: \u201eDie Tiefen\u00f6kologie stellt das biologische vor das soziale, das individuelle Empfinden vor das rationale Handeln \u2013 und bleibt damit blind f\u00fcr die Ursachen der \u00f6kologischen Krise.\u201c Diese Warnung gilt es auch heute wieder verst\u00e4rkt zu beachten \u2013 gerade in einer krisengebeutelten Zeit wie der unseren und der Renaissance solcher Ideen in den Kreisen der radikalen \u00d6kologiebewegung.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei alledem m\u00f6chte ich aber noch mal betonen: Bookchin hat sein Werk weder als abgeschlossen noch als fest-gef\u00fcgte Ideologie verstanden. Es ist ein Projekt, was es gilt kritisch zu \u00fcberpr\u00fcfen, als Inspirationsquelle zu nutzen und an die jeweiligen konkrete Situation anzupassen. Im Sinne von Friedrich Nietzsche kann man vielleicht sagen, dass Bookchin keine J\u00fcnger*innen sucht, sondern Gef\u00e4hrt*innen, die wie er eine sozial\u00f6kologische Gesellschaftsordnung anstreben.<br><\/p>\n\n\n\n<p><em>Dr. Maurice Schuhmann ist Politikwissenschaftler, Philosoph und Autor. Er lebt und k\u00e4mpft in Le Havre (Frankreich).<\/em><br><em><a href=\"http:\/\/www.maurice-schuhmann.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.maurice-schuhmann.de<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:43px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Buch bestellen: <a href=\"https:\/\/unrast-verlag.de\/produkt\/die-oekologie-der-freiheit\/\">Murray Bookchin: Die \u00d6kologie der Freiheit, \u00fcbersetzt von Karl-Ludwig Schibel &amp; Dr. Maurice Schuhmann, Unrast Verlag, 2025<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u00d6kologie der Freiheit (1982) von Murray Bookchin liegt erstmals in vollst\u00e4ndiger deutscher \u00dcbersetzung vor. Im Nachgang zu einer Onlineveranstaltung Ende Juni 2025 haben wir Dr. Maurice Schuhmann, dem \u00dcbersetzer der bisher fehlenden Teile, einige Interviewfragen gestellt. 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