{"id":231,"date":"2020-12-19T16:42:59","date_gmt":"2020-12-19T15:42:59","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkkommunalismus.wordpress.com\/?p=231"},"modified":"2020-12-19T16:42:59","modified_gmt":"2020-12-19T15:42:59","slug":"unsere-hoffnung-auf-der-lokalen-ebene-realisieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kommunalismus.org\/?p=231","title":{"rendered":"Unsere Hoffnung auf der lokalen Ebene realisieren"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Der nachfolgende Text wurde im Fr\u00fchjahr 2020 im Klimastreik-Magazin &#8222;NettoNull&#8220; ver\u00f6ffentlicht. Er wurde von einem Mitglied des Netzwerks und einer Aktivistin des Klimastreiks original auf Franz\u00f6sisch geschrieben. Es geht nicht direkt um Kommunalismus \/ soziale \u00d6kologie, doch die aufgegriffenen Themen sind direkt oder indirekt davon inspiriert. Im Text wird aufgezeigt, wie konkret eine direkte Demokratie in verschiedenen Lebensaspekten aufgebaut werden k\u00f6nnte. Auf der Website des NettoNull ist der Artikel in Franz\u00f6sisch, Deutsch und Italienisch verf\u00fcgbar<\/em>: <em><a href=\"https:\/\/nettonull.org\/unsere-hoffnungen-verwirklichen-auf-lokaler-ebene\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/nettonull.org\/unsere-hoffnungen-verwirklichen-auf-lokaler-ebene\/ <\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>In diesen unsicheren Zeiten ist es wichtig, zu zeigen, dass Hoffnung immer noch existiert. Durch eine R\u00fcckkehr auf die lokale Ebene k\u00f6nnen eine echte, direkte Demokratie und ein gemeinschaftlich aufgebautes Landwirtschaftssystem im Dienste der Gesellschaft geschaffen werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Probleme und Krisen unserer Zeit, allen voran die Klimakrise, k\u00f6nnten schwerwiegende Auswirkungen auf den Planeten und seine Bewohner*innen haben. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Systeme, in denen wir geboren wurden und leben, k\u00f6nnen diese Probleme nicht nachhaltig l\u00f6sen und bieten keinen ausreichenden Rahmen, um ein freies und bewusstes Leben zu leben. Ob wir es wollen oder nicht, wir hatten keine M\u00f6glichkeit, diese Systeme selber aufzubauen, oder nur in geringem Umfang. Es reicht jedoch nicht aus, sie zu verstehen und zu kritisieren, sondern wir m\u00fcssen anfangen, zu handeln und Alternativen zur derzeitigen Funktionsweise unserer globalisierten Gesellschaft zu entwickeln. Auf soziale und \u00f6kologische Probleme muss daher mit einem grundlegenden Wandel reagiert werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die systemische Alternative ist per Definition die Schaffung eines unabh\u00e4ngigen Mikrosystems. Das Ziel ist nicht unbedingt revolution\u00e4r, aber eine Alternative kann nicht wirklich eine Alternative sein, ohne mit einem gewissen System zu brechen. Ein alternatives Modell ist daher notwendigerweise oppositioneller Natur und kann nur auf einem Widerstand gegen das System beruhen. Mit der R\u00fcckkehr auf die lokale Ebene ist es m\u00f6glich, diese toxischen Systeme zu hinterfragen und kurzzuschlie\u00dfen, indem die sozialen, menschlichen und wirtschaftlichen Strukturen so umgestaltet werden, dass sie so nah wie m\u00f6glich an den Menschen sind. Strukturelle Denk- und Entscheidungsprozesse sind vor Ort leichter zu verstehen. In der Tat sp\u00fcren die Betroffenen unmittelbar die Folgen ihrer Entscheidungen und k\u00f6nnen so die Bedeutung der freien und kollektiven Wiederaneignung der politischen Macht durch die Bev\u00f6lkerung verstehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aufbauend auf diesen \u00dcberlegungen haben wir uns entschieden, zwei spezifische Alternativen genauer zu betrachten. Eine politische Alternative f\u00fcr das Volk und eine landwirtschaftliche Alternative. Mit dem Wunsch, eine alternative Form der sozialen Organisation auf lokaler Ebene etablieren zu wollen, wird ein konkretes Ziel verfolgt: Die Verwirrung um die Bedeutung des Begriffes \u201cPolitik\u201d aufzul\u00f6sen und dessen originale Bedeutung wiederzufinden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die sozialen Fragen, die die gesamte Bev\u00f6lkerung betreffen, sollten auf lokaler Ebene in Diskussionen und Entscheidungen behandelt werden, an denen eben diese Bev\u00f6lkerung teilnimmt. Dies steht im Gegensatz zur jetzigen Situation, in der die meisten \u00dcberlegungen und politischen Entscheidungen auf Vorentscheidungen basieren, die in weiter Entfernung getroffen wurden und von einer nicht rechenschaftspflichtigen B\u00fcrokratie reguliert werden. Die geographische und soziale N\u00e4he der Menschen erlaubt es hingegen, sich mit den verschiedenen Akteuren, die im gleichen Kontext leben, vertraut zu machen und gemeinsam L\u00f6sungen zu finden, die den Kontext sowie die Interessen und Bed\u00fcrfnisse jedes Einzelnen ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dadurch wird es auch eine R\u00fcckkehr zu einem essentiellen Aspekt der Demokratie erm\u00f6glicht, der im jetzigen System vernachl\u00e4ssigt wird: der Prozess von Diskussion und Debatte, in dem die eigenen Meinungen und Argumente auf die Probe gestellt werden k\u00f6nnen. \u00dcberlegungen, die zu neuen und besseren Gedanken f\u00fchren, k\u00f6nnen durch das neue Wissen und die neuen Perspektiven, die diese Debatte mit sich bringt, gef\u00f6rdert werden. Der wichtigste Vorteil dieses lokalen Systemes ist der Umstand, dass die Entscheidungsmacht endlich wieder bei den Menschen ist, die wirklich von den Entscheidungen ber\u00fchrt werden. Konkret k\u00f6nnte dieses System auf der Grundlage von konsensorientierten Prozessen mit Vollversammlungen, Debatten und Arbeitsgruppen funktionieren, die aus Expert*innen und den betroffenen Akteure bestehen. In der Regel werden Entscheidungen mit einfacher Mehrheit getroffen. In einigen F\u00e4llen k\u00f6nnen regionale Konf\u00f6derationen aus gew\u00e4hlten Delegierten der verschiedenen Gemeinden mit spezifischen Mandaten bestehen. Mit der Einhaltung der Prinzipien der Inklusivit\u00e4t und Transparenz liegt der Prozess wirklich in den H\u00e4nden des Volkes.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kommen wir nun zu der landwirtschaftlichen Alternative. Einerseits hat das derzeitige globalisierte, produktivistische, industrielle Landwirtschaftsmodell der Landwirtschaft seine vielen M\u00e4ngel und moralischen Widerspr\u00fcche deutlich gemacht. Das Kollaps der biologischen Vielfalt, der insbesondere durch die intensive Viehhaltung und den massiven Einsatz von Pestiziden verursacht wird, ist ein echtes Problem. Es ist notwendig, landwirtschaftliche Praktiken einzuf\u00fchren, die grunds\u00e4tzlich umweltfreundlich sind und nicht von fossilen Brennstoffen abh\u00e4ngig sind. Durch die Verringerung der Gr\u00f6\u00dfe der Betriebe, die Abkehr von der Monokultur und der intensiven Viehzucht und die Erh\u00f6hung des nichtmechanisierten Anteils der Arbeit ist eine R\u00fcckkehr zu einer widerstandsf\u00e4higeren Landwirtschaft m\u00f6glich, die unabh\u00e4ngig von fossilen Brennstoffen und synthetischen Produkten ist, wodurch die Hauptprobleme des derzeitigen Systems gel\u00f6st werden. Andererseits ist auch klar, dass die Kluft zwischen der Landwirtschaft und der \u00fcbrigen Gesellschaft immer gr\u00f6\u00dfer wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch die R\u00fcckkehr auf die lokale Ebene und die Erh\u00f6hung der Zahl der Besch\u00e4ftigten im Prim\u00e4rsektor ist es m\u00f6glich, diese zu verringern. Es ist dann leichter, qualitativ hochwertige Produkte f\u00fcr alle zug\u00e4nglich zu machen und dabei sowohl die geographische als auch die soziale N\u00e4he wieder herzustellen. Dies bedeutet, die zwischenmenschlichen Beziehungen zu st\u00e4rken und zu vervielfachen und den Austausch von Werkzeugen und Wissen zu f\u00f6rdern. Um die Umsetzung solcher Alternativen zu erm\u00f6glichen, besteht ein wichtiger erster Schritt darin, \u00fcber die Rolle nachzudenken, den die Landwirtschaft derzeit in unserem Leben einnimmt. Nur durch die Kultivierung und Aufzucht von Tieren k\u00f6nnen wir uns ern\u00e4hren; wie konnte sich eine so lebenswichtige T\u00e4tigkeit wie die Nahrungsmittelproduktion so weit von unserem t\u00e4glichen Leben entfernen? In den meisten westlichen L\u00e4ndern haben wir uns eine von unserer Umwelt entfremdete Lebensweise angeeignet. Aber wir m\u00fcssen jetzt wieder lernen, wie wir unsere eigenen Lebensmittel produzieren k\u00f6nnen. Deshalb ist es wichtig, hier und da agro\u00f6kologische Mikrofarmen zu errichten, die auf dem Land oder in der Stadt produzieren, unabh\u00e4ngig davon, ob sie selbstverwaltet oder partizipatorisch sind. Im Grunde geht es darum, sich das Land und seine Produkte wieder anzueignen, aber vor allem darum, die Verbindung, die wir mit ihm haben, neu zu \u00fcberdenken. Die Schaffung einer Alternative geht in allen Bereichen mit einer R\u00fcckkehr zu den Grundlagen einher. Damit eine lokale Alternative funktionieren kann, muss eine Gemeinschaft also alle Mittel selber in der Hand haben und sich von der Komplexit\u00e4t und Widerstandsf\u00e4higkeit der \u00d6kosysteme inspirieren lassen, um in Harmonie mit ihrer Umwelt zu leben. Aus strategischer Sicht ist die Umsetzung konkreter und funktionierender Alternativen sicher Teil einer Vision eines Systemwandels, sei es ein revolution\u00e4rer oder ein langsamer. Es ist notwendig, zu zeigen, dass es noch etwas anderes gibt, um die Lust auf Wandel anzustacheln und auf Dauer am Leben zu erhalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der nachfolgende Text wurde im Fr\u00fchjahr 2020 im Klimastreik-Magazin &#8222;NettoNull&#8220; ver\u00f6ffentlicht. Er wurde von einem Mitglied des Netzwerks und einer Aktivistin des Klimastreiks original auf Franz\u00f6sisch geschrieben. 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