{"id":503,"date":"2022-05-13T08:52:00","date_gmt":"2022-05-13T06:52:00","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkkommunalismus.wordpress.com\/?p=503"},"modified":"2022-05-13T08:52:00","modified_gmt":"2022-05-13T06:52:00","slug":"bookchins-dialektik-philosophische-grundlagen-fur-die-okologiebewegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kommunalismus.org\/?p=503","title":{"rendered":"Bookchin\u2019s Dialektik: Philosophische Grundlagen f\u00fcr die \u00d6kologiebewegung"},"content":{"rendered":"\n<p><em>In \u201cThe Philosophy of Social Ecology\u201d widerlegt Murray Bookchin die mechanistische Weltanschauung, der zufolge der Mensch dazu berufen ist, die Natur zu beherrschen und auszubeuten. Bookchin sieht die Natur als eine unaufh\u00f6rliche dialektische Bewegung hin zu immer gr\u00f6sserer Vernunft, Diversit\u00e4t, Komplexit\u00e4t und Freiheit. Daraus ergibt sich eine \u00f6kologische Ethik, die aus der Natur selbst abgeleitet ist. Die Pflicht zum naturverantwortlichen Handeln ist nicht bloss ein subjektives Gef\u00fchl, sondern ein Gebot der Vernunft. Die Neuauflage (2022) dieses Werks f\u00e4llt in eine Zeit, in der alle Kraft aufgeboten werden muss, um die z\u00f6gerliche Weltgemeinschaft von der Notwendigkeit einer sozial-\u00f6kologischen Transformation zu \u00fcberzeugen, damit die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels abgewendet werden k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Warnrufe der Klimawissenschaftler*innen werden immer lauter, aber die Antworten darauf sind bestenfalls Greenwashing oder technokratische \u201cL\u00f6sungen\u201d, schlechtestenfalls autorit\u00e4re Massnahmen wie milit\u00e4rische Aufr\u00fcstung und Grenzschutz. Das Buch \u201cThe Philosophy of Social Ecology\u201d von Murray Bookchin zeigt einen anderen Ausweg: Es fordert eine revolution\u00e4re Umgestaltung der Gesellschaft, basierend auf einer nat\u00fcrlichen Ethik, die Freiheit und Demokratie als h\u00f6chste Werte verteidigt. Es bietet einen Gegenentwurf zum ewigen Wachstumszwang des Kapitalismus, der uns an die Schwelle der Zerst\u00f6rung gebracht hat, wie Debbie Bookchin, Journalistin, Autorin und Tochter von Murray Bookchin, k\u00fcrzlich an einer Buchvorstellung sagte.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"t1\">Der Theoretiker Murray Bookchin geht davon aus, dass die beste Gesellschaftsform eine radikal dezentralisierte Gesellschaft ist, in der Politik auf der elementarsten Ebene stattfindet, n\u00e4mlich in der lokalen Community. Zwischen Individuen, die sich mit direktdemokratischen Versammlungen organisieren und ihr Leben gemeinsam regeln. F\u00fcr diese Behauptung, die er in zahlreichen Werken aufgestellt und erl\u00e4utert hat<sup><a href=\"#f1\">1<\/a><\/sup>, versucht er in \u201cThe Philosophy of Social Ecology\u201d eine objektive Grundlage zu finden. Sein Anspruch ist, eine Ethik zu formulieren, die das menschliche Handeln anweisen kann, wenn es darum geht, Entscheidungen \u00fcber die Organisation der Gesellschaft zu f\u00e4llen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dialektik in der Natur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die herk\u00f6mmliche Rationalit\u00e4t mit ihrem mechanistischen Weltbild vermag dies nicht zu leisten. Wenn die Welt nur aus toter Materie im Raum besteht, die, einmal angestossen, ziellos umhertreibt, kann daraus keine Gesellschaftsutopie abgeleitet werden. In dieser Weltsicht fehlt etwas. Bookchin findet das fehlende Element in der Dialektik.<\/p>\n\n\n\n<p>Dialektik heisst, dass der Motor, der das Weltgeschehen antreibt, der Widerspruch ist. Dinge sind nicht nur das, was sie im Moment gerade sind, sondern sie \u201csind\u201d auch das, was sie werden k\u00f6nnten. Ein F\u00f6tus ist nicht nur eine Ansammlung von Zellen, sondern er tr\u00e4gt das Potenzial in sich, zu einem erwachsenen Menschen heranzuwachsen. In der Natur l\u00e4sst sich \u00fcberall das Streben beobachten, dass alle Dinge das in ihnen schlummende Potenzial verwirklichen wollen. Das \u00e4ussert sich sowohl in der Entwicklung von Einzellebewesen als auch in der Evolution als eine Tendenz zu immer gr\u00f6sserer Komplexit\u00e4t, Diversit\u00e4t und Kreativit\u00e4t. Das ist keine ziellose, blinde Bewegung wie im mechanistischen Weltbild, sondern eine gerichtete Bewegung.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Auf-ein-Ziel-gerichtet-Sein wird auch \u201cTeleologie\u201d genannt und das ist etwas, was in der Naturwissenschaft \u00e4usserst verp\u00f6nt ist. Teleologie besage, so der Vorwurf, dass sich alles zu einem Endziel hin entwickle, das entweder von einem Gott oder durch andere Zw\u00e4nge vorherbestimmt sei. Nun, Bookchin spricht eben nicht von Teleologie, sondern von Dialektik, und die hat \u2013 so wie Bookchin sie versteht \u2013 immer einen offenen Ausgang. Mehr noch: Kreativit\u00e4t und Freiheit ist gerade ihr entscheidendes Grundmerkmal. Eine vom Baum gefallene Eichel kann zu einer Eiche heranwachsen oder sie kann auf dem Asphalt verdorren. Evolution\u00e4re Entwicklungslinien k\u00f6nnen aussterben oder sie k\u00f6nnen \u00fcber Ver\u00e4stelungen und Umwege immer h\u00f6here Organismen hervorbringen, vom Einzeller \u00fcber Pflanzen und Tiere bis zu den vernunftbegabten Menschen. Nicht, weil es Gott oder die Vorhersehung so gewollt haben, sondern weil es der inneren Logik der Dinge entspricht \u2013 ihrer dialektischen Strukturiertheit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Widerspruch als Motor des Wandels<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p id=\"t2\">Bookchin baut seine Dialektik in der Tradition von Aristoteles und Hegel auf, erg\u00e4nzt durch den Evolutionsgedanken und eine \u201corganistische\u201d Sensibilit\u00e4t, wie sie bereits durch Philosophen von Diderot bis Hans Jonas beschrieben wurde. Er bezeichnet seine Philosophie als \u201cdialektischen Naturalismus\u201d, um sie einerseits von Hegels idealistischer Dialektik und andererseits vom dialektischen Materialismus von Marx und Engels abzugrenzen. W\u00e4hrend Hegel vom \u201cGeist\u201d aus denkt, der sich in der materiellen Welt verwirklicht und im menschlichen Geist \u201czu sich selbst\u201d gelangt, steht Bookchin klar auf der materialistischen Seite. Alles \u00dcbersinnliche lehnt er ab. Genauso lehnt er aber einen vulg\u00e4ren, mechanistischen Materialismus ab, der im Stofflichen nur die leblose Materie<sup><a href=\"#f2\">2<\/a><\/sup> sieht.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"t3\">Ein dialektischer Materialismus gen\u00fcgt ihm daher nicht, er fordert einen dialektischen Naturalismus. An Engels \u201cDialektik der Natur\u201d kritisiert er, dass sie trotz allem auf dem Stand der Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts stehengeblieben ist und die dialektische Entwicklung in der Natur zu wenig ber\u00fccksichtigt.<sup><a href=\"#f3\">3<\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Bookchin rehabilitiert \u00fcbrigens Hegel in gewisser Hinsicht, der \u2013 leider bis heute \u2013 oft missverstanden wird als ein Verteidiger des Status quo und des preussischen Staats. Bei der Hegel-Interpretation wird oft \u00fcbersehen, dass Hegel nicht den Ist-Zustand beschreibt, wenn er sagt, dass das Vern\u00fcnftige das Wirkliche ist. Wie Bookchin erkl\u00e4rt, unterscheidet Hegel zwischen Realit\u00e4t und Wirklichkeit. Realit\u00e4t ist das, was ist; die Wirklichkeit einer Sache ist aber das, wozu sie sich entwickeln kann. Hegel und Bookchin sind keine Philosophen des Seins, sondern des Werdens. Die verdorrte Eichel auf dem Asphalt mag real sein, aber dieser Zustand ist nicht ihre \u201cWirklichkeit\u201d. Es ist nicht das, was sie sein k\u00f6nnte \u2013 und sein sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Todd McGowan, der das Vorwort zur neuen Auflage von \u201cThe Philosophy of Social Ecology\u201d geschrieben hat, verdeutlicht das in Bezug auf Bookchins Gesellschaftskonzeption: Die soziale Realit\u00e4t ist, dass wir in einer kapitalistischen, mysoginen, rassistischen Gesellschaft leben. Die Gesellschaft besitzt aber eine untergr\u00fcndige, verdeckte <em>Wirklichkeit<\/em>, n\u00e4mlich das Potenzial, egalit\u00e4r, solidarisch und frei zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Gesellschaftlichen Wandel erkl\u00e4rt Bookchin \u2013 wie Marx \u2013 aus dem Widerspruch. Die Gesellschaft \u00e4ndert sich \u2013 wird auf eine h\u00f6here Stufe aufgehoben \u2013, wenn der Widerspruch zwischen dem, was sie ist, und dem, was sie sein k\u00f6nnte oder sein sollte, allzu gross wird. Bookchin ist somit durch und durch Revolution\u00e4r, nicht nur als Politiktheoretiker, sondern auch als Philosoph.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Punkt von Bookchins Philosophie ist laut Todd McGowan, \u201cdas Wirkliche im Realen zu erkennen\u201d. Wird das Wirkliche erkannt, kann es realisiert werden und mit ihm zusammenfallen: Aus dem Widerspruch zwischen Identit\u00e4t (der gesellschaftliche Status quo \u201cist\u201d, d. h. er ist mit sich selbst identisch) und Nicht-Identit\u00e4t (es ist eine andere Gesellschaft denkbar als die, die momentan \u201cist\u201d) wird eine neue Identit\u00e4t: eine neue Gesellschaft. Ph\u00e4nomene, die noch unvollkommen und unverwirklicht sind, befinden sich in einer dynamischen Spannung mit sich selber, bis sie zu dem werden, wozu sie aufgrund ihrer inneren dialektischen Strukturiertheit zu werden konstituiert sind \u2013 das gilt auch f\u00fcr die Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Debbie Bookchin betont, dass es dabei kein teleologisches Endziel gibt, keine utopische Idealgesellschaft, sondern nur das Potenzial dazu: \u201cEs liegt an den Menschen, rationale Entscheidungen zu treffen und dieser Wirklichkeit zur Realit\u00e4t zu verhelfen.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Platz des Menschen in der Natur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit dieser gross angelegten Ethik begr\u00fcndet Bookchin nicht nur seine politischen Visionen. Er liefert gleichzeitig auch ein Fundament f\u00fcr \u00f6kologisches Handeln. Sein dialektischer Naturalismus beantwortet n\u00e4mlich eine grundlegende Frage: In welchem Verh\u00e4ltnis stehen Mensch und Natur zueinander; wo in der Natur hat der Mensch seinen Platz?<\/p>\n\n\n\n<p id=\"t4\">Aus der Tendenz zu immer mehr Komplexit\u00e4t, Diversit\u00e4t und Kreativit\u00e4t, die mithin eine Bewegung hin zur Freiheit ist \u2013 politische Freiheit in Form von Demokratie und Freiheit in dem Sinn, dass nie vorhergesagt werden kann, in welche Richtung sich die Evolution entwickelt \u2013 ergibt sich w\u00f6rtlich eine \u201c\u00d6kologie der Freiheit\u201d. Der Mensch ist ein Teil der dialektischen Bewegung der Natur, was eine ganz andere Konzeption ist als diejenige des dualistisch-mechanistischen Weltbilds, in der der Mensch klar von der Natur getrennt ist und auf sie herabschaut. F\u00fcr Bookchin verl\u00e4uft die Entwicklung von der Natur zum Menschen graduell. Nicht absolut getrennt, aber auch nicht ein mystisches \u201cAll-Eins\u201d wie in esoterischen Naturkonzeptionen. (Als Materialist warnt Bookchin davor, die Natur zu mystifizieren.<sup>4<\/sup>) Sondern ein Kontinuum mit feststellbaren, graduellen Unterteilungen. Bookchins Naturphilosophie ist eine Beschreibung der sich entfaltenden Wirklichkeit \u2013 als nat\u00fcrliche Evolution, die graduell in soziale Evolution und Ethik \u00fcbergeht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Menschen haben somit eine einzigartige Stellung im Kontinnum der Natur. Als selbstbewusste, vernunftbegabte Wesen sind sie zu verantwortlichem Handeln verpflichtet. Es gilt f\u00fcr sie folglich der Imperativ, die bisherige, kapitalistische Naturausbeutung zu beenden und der Freiheit zum Durchbruch zu verhelfen: Freiheit f\u00fcr die Natur und gesellschaftliche Freiheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Die in der Evolution anzutreffende Tendenz zu mehr Wahlm\u00f6glichkeiten, Selbstbestimmtheit und Partizipation ist an sich schon ethisch. Auch wenn diese Prinzipien, wie Mutualismus (Gegenseitigkeit), Freiheit, Intersubjektivit\u00e4t und Selbstorganisation in der Natur nur in Spuren vorkommen, sind sie eine Vorahnung dessen, was in einer ethischen Gesellschaft zur vollen Bl\u00fcte gelangen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine Philosophie f\u00fcr die \u00d6kologiebewegung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p id=\"t5\">Das gut lesbare, nicht allzu dicke Buch \u201cThe Philosophy of Social Ecology\u201d besteht aus f\u00fcnf Essays, in denen die Thematik verst\u00e4ndlich ausgebreitet wird. Zahlreiche weitere Aspekte der Naturphilosophie werden angesprochen, auf die hier nicht eingegangen werden soll, beispielsweise Bookchins Warnung vor allen esoterischen Naturbildern (die in \u00d6kofaschismus kippen k\u00f6nnen) oder seine Kritik an der Systemtheorie, in der das dialektische Moment fehlt und somit auch die ethische Komponente und die antikapitalistischen Schlussfolgerungen. Einen bedeutenden Einfluss auf Bookchin haben Adorno und Horkheimer<sup><a href=\"#f5\">5<\/a><\/sup>, deren Pessimismus er ins Optimistische kehrt. Wie Todd McGowan im Nachwort andeutet, nimmt Bookchin auch eine Kritik an Theorien wie Bruno Latours Akteur-Netzwerk-Theorie vorweg, die einem \u201csentimentalen\u201d Naturbild anh\u00e4ngen und die Rolle verkennen, die der Widerspruch in der Natur spielt.<sup><a href=\"#f6\">6<\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts der Klimakrise, die bereits in Teilen der Welt erbarmungslose Realit\u00e4t ist, kann es sich die \u00d6kologiebewegung nicht mehr leisten, auf wackligen theoretischen F\u00fcssen zu stehen. Eine intellektuelle Konfusion kann sch\u00e4dliche Auswirkungen von unmessbarem Ausmass erzeugen, warnt Bookchin. Die Philosophie der Sozialen \u00d6kologie, der dialektische Naturalismus, gibt ethische Richtlinien vor, die heute dringend ben\u00f6tigt werden. Es ist zu hoffen, dass diese Theorien vermehrt in die aktuellen Diskurse einfliessen. Sie k\u00f6nnen der \u00d6kologie- und Klimabewegung als starke theoretische Grundlage dienen, um f\u00fcr politische Schritte zu argumentieren.<\/p>\n\n\n\n<p>In unserer historischen Situation m\u00fcssen wir rationale Entscheide treffen. F\u00fcr Bookchin heisst das, eine rationale Gesellschaft zu erschaffen und die irrationale Gesellschaft, in der wir momentan leben, radikal zu \u00fcberwinden. Freiheit bedingt Ver\u00e4nderung, Entwicklung, Transformation: Wir m\u00fcssen vom blossen Sein zum Werden gelangen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"t7\">\u201cEine Gesellschaft, die darin scheitert, ihre Potenziale f\u00fcr menschliches Gl\u00fcck und Fortschritt zu aktualisieren, ist zwar real in dem Sinn, dass sie existiert, aber sie ist nicht wirklich sozial. Sie ist unvollkommen und verzerrt, insofern als sie lediglich weiterbesteht, und daher irrational.\u201d<em> <\/em><sup><em><a href=\"#f7\">7<\/a><\/em><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.akpress.org\/philosophyofsocialecology.html\" target=\"_blank\">Murray Bookchin, \u201cThe Philosophy of Social Ecology &#8211; Essays on Dialectical Naturalis<\/a><a href=\"https:\/\/www.akpress.org\/philosophyofsocialecology.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">m<\/a><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.akpress.org\/philosophyofsocialecology.html\" target=\"_blank\">\u201d, AK Press 2022<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Gespr\u00e4ch mit Debbie Bookchin und Todd McGowan zur Neuerscheinung 2022:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"What is Nature?\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/UZ8092hVCkM?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\" id=\"f1\"><sup><a href=\"#t1\">1<\/a><\/sup> Beispielsweise in \u201cThe Ecology of Freedom\u201d.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\" id=\"f2\"><sup><a href=\"#t2\">2<\/a><\/sup> F\u00fcr Bookchin ist Materie nicht tot, sondern lebendig und fruchtbar (\u201cfecund\u201d). Damit meint er jedoch nicht etwas \u00dcbersinnliches, sondern einfach eine grundlegende Beschaffenheit von Materie: Sie besitzt eine nat\u00fcrliche Tendenz zur Selbstorganisation, wie sie z. B. an der Schwelle vom Anorganischen zum Organischen sichtbar wird. Es braucht also keinen Gott und keinen \u201c\u00e9lan vital\u201d, der die Materie beseelt und ihr \u201cautorit\u00e4r\u201d eine Absicht einfl\u00f6sst, sondern die Materie organisiert sich \u201cdemokratisch\u201d selber.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Bookchin bezieht sich auch auf Denis Diderot (\u201cD\u2019Alemberts Traum\u201d) und dessen Vorstellung, dass die Materie eine \u201csensibilit\u00e9\u201d besitzt. Bookchin spricht von einer immanenten Fruchtbarkeit der Materie (\u201cimmanent fecundity of matter\u201d) und ihrem Drang zur Komplexit\u00e4t (\u201cnisus for complexity\u201d). \u201cEine Entelechie, die aus dem Wesen, der Struktur und Form der Potenzialit\u00e4t selbst emergiert\u201d (Bookchin 2022, Kapitel \u201cToward a Philosophy of Nature: The Bases for an Ecological Ethics\u201d, S. 48)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\" id=\"f3\"><sup><a href=\"#t3\">3<\/a> <\/sup>Anzuf\u00fcgen w\u00e4re, dass seit einiger Zeit versucht wird, Marx \u00f6kologisch und evolutionsbiologisch (mit Darwin) zu lesen, wie es beispielsweise John Bellamy Foster tut. Diese Theorien sind sicher zutreffend, reichen aber in der philosophischen Tiefe nicht an Bookchins dialektischen Materialismus heran. Bookchin kritisiert unter anderem auch, dass der (marxistische) dialektische Materialismus wenig mehr getan habe, als mit hegelianischen Begriffen und Konzepten einen szientistischen \u201cdialektischen\u201d Mechanismus zu formulieren. (Bookchin 2022, S. 111, Fussnote 63.) Zur Kritik des Darwinismus siehe ferner: Hans Jonas, \u201cThe Phenomenon of Life\u201d, zweiter Essay \u201cPhilosophical Aspects of Darwinism\u201d.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\" id=\"f4\"><sup><a href=\"#t4\">4<\/a> <\/sup>\u201cBiozentrismus\u201d, Antihumanismus und die Sichtweise, dass Menschen nur \u201cintelligente Fl\u00f6he\u201d auf dem K\u00f6rper von \u201cGaia\u201d sind, lehnt Bookchin scharf ab. Eine solche \u201cVerehrung\u201d der Natur sei nicht nur eine Entfremdung und Verdinglichung, sondern negiere auch jeglichen Respekt f\u00fcr die Diversit\u00e4t des Lebens. (Bookchin 2022, S. 69) \u201cAls eine Art, \u00fcber die Realit\u00e4t nachzudenken, ist dialektischer Naturalismus organisch genug, um vagen W\u00f6rtern wie Verbundenheit und Holismus eine emanzipierendere Bedeutung zu geben, ohne Intellektualit\u00e4t zu opfern.\u201d (Ebd., S. 17)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\" id=\"f5\"><sup><a href=\"#t5\">5<\/a><\/sup> Insbesondere kehrt Bookchin Adornos und Horkheimers These um, dass Herrschaft \u00fcber Menschen eine Konsequenz davon ist, dass die Menschen gezwungen sind, die Natur zu beherrschen. Bookchin sagt umgekehrt: Die Idee, die Natur zu beherrschen, entstammt der Herrschaft von Menschen \u00fcber Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\" id=\"f6\"><sup><a href=\"#t5\">6<\/a><\/sup> Gemeinsamkeiten und Differenzen zwischen dialektischem Naturalismus und Akteur-Netzwerk-Theorie und \u00e4hnlichen Richtungen werden ausserdem in folgenden B\u00fcchern erl\u00e4utert: Damian F. White, Alan P. Rudy, Brian J. Gareau: \u201cEnvironments, Natures and Social Theory\u201d sowie Brian Morris, \u201cAnthropology and Dialectical Naturalism\u201d.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\" id=\"f7\"><sup><a href=\"#t7\">7<\/a><\/sup>Alle \u00dcbersetzungen: Netzwerk f\u00fcr Kommunalismus<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In \u201cThe Philosophy of Social Ecology\u201d widerlegt Murray Bookchin die mechanistische Weltanschauung, der zufolge der Mensch dazu berufen ist, die Natur zu beherrschen und auszubeuten. Bookchin sieht die Natur als eine unaufh\u00f6rliche dialektische Bewegung hin zu immer gr\u00f6sserer Vernunft, Diversit\u00e4t, Komplexit\u00e4t und Freiheit. 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