{"id":513,"date":"2022-07-01T00:20:51","date_gmt":"2022-06-30T22:20:51","guid":{"rendered":"https:\/\/netzwerkkommunalismus.wordpress.com\/?p=513"},"modified":"2022-07-01T00:20:51","modified_gmt":"2022-06-30T22:20:51","slug":"die-zukunft-ist-degrowth","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kommunalismus.org\/?p=513","title":{"rendered":"Die Zukunft ist Degrowth"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Das Buch \u201cThe Future Is Degrowth. A Guide to a World beyond Capitalism\u201d gibt eine umfassende \u00dcbersicht \u00fcber Wachstumskritik, Degrowth-Bewegung und Strategien zur Realisierung von institutionell bis zur Gegen-Hegemonie von unten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Degrowth wird zurzeit wieder vermehrt diskutiert, nicht nur wegen der gegenseitigen Ann\u00e4herung von Degrowth-Bewegung und <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/mronline.org\/2022\/06\/18\/the-necessity-of-ecosocialist-degrowth\/\" target=\"_blank\">\u00d6kosozialismus<\/a>, sondern auch wegen der aktuellen Neuerscheinung \u201cThe Future Is Degrowth. A Guide to a World beyond Capitalism\u201d (Juni 2022). Es handelt sich um eine expandierte Version des deutschen Originals \u201cDegrowth\/Postwachstum zur Einf\u00fchrung\u201d (2019) von Matthias Schmelzer und Andrea Vetter, in Zusammenarbeit mit <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/youtu.be\/57ckErD6cTk\" target=\"_blank\">Aaron Vansintjan<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Degrowth propagiert eine Abkehr davon, dass Wohlstand und Entwicklung mit Wirtschaftswachstum gleichgesetzt wird. Im Gegenteil m\u00fcssen die nicht nachhaltigen Teile der Wirtschaft wie etwa \u00d6lindustrie und Bergbau schrumpfen, w\u00e4hrend andere Teile, wie der \u00f6ffentliche Sektor und Gesundheit, durchaus wachsen d\u00fcrften. Der exzessive Konsum der reichsten Prozent, vor allem im globalen Norden, muss sinken. Diese Transformation muss auf eine sozial gerechte Weise vollzogen werden, besonders in R\u00fccksicht auf die arbeitende Klasse und die L\u00e4nder im globalen S\u00fcden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch \u201cThe Future Is Degrowth\u201d analysiert zuerst das Wirtschaftswachstum und die Kritik daran, bevor es eine \u00dcbersicht \u00fcber die verschiedenen Str\u00f6mungen innerhalb der Degrowth-Bewegungen gibt und Wege aufzeigt, die in eine Degrowth-Gesellschaft f\u00fchren k\u00f6nnen. Grob gesagt gibt es f\u00fcnf Degrowth-Visionen:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; institutionell orientiert<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Suffizienz-orientiert<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Commoning\/alternative \u00d6konomien<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; feministische Str\u00f6mung<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; postkapitalistische\/globalisierungskritische Str\u00f6mung<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bez\u00fcge zu Bookchin<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Autor*innen sind klar links und klassenk\u00e4mpferisch positioniert und kritisieren sowohl rechtsnationalistische Knappheitsnarrative, als auch \u201cgr\u00fcnen Kapitalismus\u201d, individualistische L\u00f6sungen und verw\u00e4sserte, liberale Vorstellungen von einem \u201cGreen New Deal\u201d. Sehr umfassend rekapitulieren sie Diskussionen innerhalb der \u00d6konomie und der \u00d6kologie. In diesem Zusammenhang erw\u00e4hnen sie auch philosophisch-utopische Traditionen, von William Morris bis zu <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Planet_der_Habenichtse\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ursula K. Le Guin<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter anderem beziehen sie sich auf Murray Bookchin, der im Buch mehrmals erw\u00e4hnt wird, und widmen ein (kurzes) Kapitel der Sozialen \u00d6kologie. Als \u00f6kologischer Humanist hat Bookchin einerseits die liberale Idee des Individuums als isoliertes Wesen bek\u00e4mpft, andererseits Freiheit und Autonomie hochgehalten und Autorit\u00e4t und soziale Hierarchien zur\u00fcckgewiesen. Er warnte sowohl davor, in einen Natur-Romantizismus zu verfallen, als auch vor dem Produktivismus, also dass die Natur durch Technologie \u201cbeherrscht\u201d werden k\u00f6nnte. Mit seiner Sozialen \u00d6kologie legte er dar, wie das ausbeuterische Verh\u00e4ltnis zur Natur von sozialen Machtbeziehungen zwischen Menschen abgeleitet ist, wie Klasse, \u201cRasse\u201d, Geschlecht, Alter usw.<\/p>\n\n\n\n<p>Schmelzer\/Vansintjan\/Vetter weisen auf die Verbindung von Naturbeherrschung und patriarchaler, rassistischer und Klassen-Unterdr\u00fcckung hin, beispielsweise in Form von unbezahlter Hausarbeit von Frauen oder in Form von rassistischen Grenzregimes. Die \u00dcberwindung einer hierarchischen Gesellschaft-Natur-Beziehung bildet so die Grundlage, um Herrschaft im Allgemeinen zu \u00fcberwinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Kapitel \u00fcber Degrowth-Visionen f\u00fchren sie ein sch\u00f6nes <a href=\"http:\/\/unevenearth.org\/2019\/10\/bookchin_doing_the_impossible\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bookchin<\/a>-Zitat auf, das die Wichtigkeit des utopischen Denkens herausstreicht: \u201cDaydreams are pieces of imagination, they are bits of poetry. They are the balloons that fly up in history.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.versobooks.com\/books\/3989-the-future-is-degrowth\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Matthias Schmelzer, Aaron Vansintjan, Andrea Vetter: The Future Is Degrowth. A Guide to a World beyond Capitalism, Verso, 2022<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"480\" height=\"720\" src=\"https:\/\/kommunalismus.org\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/degrowth.jpeg?w=480\" alt=\"\" class=\"wp-image-516\" srcset=\"https:\/\/kommunalismus.org\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/degrowth.jpeg 480w, https:\/\/kommunalismus.org\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/degrowth-200x300.jpeg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Buch \u201cThe Future Is Degrowth. 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