{"id":912,"date":"2024-07-03T21:33:03","date_gmt":"2024-07-03T21:33:03","guid":{"rendered":"https:\/\/kommunalismus.org\/?p=912"},"modified":"2024-07-03T21:35:43","modified_gmt":"2024-07-03T21:35:43","slug":"muenster-ist-bunt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kommunalismus.org\/?p=912","title":{"rendered":"M\u00fcnster ist bunt"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Das kommunalistische Projekt M\u00fcnsterliste \u2013 bunt und international<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der folgende Text wurde in gek\u00fcrzter Form als Referat am Workshop \u201eAlternative Formen der Basisorganisierung\u201c (gemeinsam organisiert von<br>Ciudad Migrante und Netzwerk f\u00fcr Kommunalismus) im Rahmen des Recht auf Stadt Forums vom 7. bis 9. Juni 2024 in Berlin gehalten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Von Werner Szybalski<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Kommunalwahl 2020 stellten sich 33 Menschen in M\u00fcnster (Nordrhein-Westfalen) gemeinsam unter dem Dach des neu gegr\u00fcndeten Vereins \u201eM\u00fcnsterliste \u2013 bunt und international e.V.\u201c erfolgreich zur Wahl, um kurz nach der Wahl doch zu scheitern. Die links-antiautorit\u00e4re kommunalistische M\u00fcnsterliste bekam auf Anhieb in den 33 Wahlkreisen der Stadt zusammen 1848 Stimmen, was ihr ein Mandat im 66k\u00f6pfigen Stadtrat einbrachte. Die Universit\u00e4ts- und Verwaltungsstadt M\u00fcnster hat aktuell zirka 320.000 Einwohner:innen, wovon 12,4 Prozent (39.514) Ende 2022 nicht im Besitz der deutschen Staatsangeh\u00f6rigkeit waren. Zu ihnen geh\u00f6rte auch der neue Ratsherr der M\u00fcnsterliste \u2013 er hat einen griechischen Pass.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stadt M\u00fcnster ist das Zentrum der nach der Stadt benannten Region \u201eM\u00fcnsterland\u201c mit rund 1,6 Millionen Einwohner:innen. Die Stadt selbst wurde zuletzt 1975 durch Eingemeindung von \u00fcber zehn D\u00f6rfern und Bauernschaften vergr\u00f6\u00dfert und zugleich in politisch zwei Teile \u2013 (progressiver) Kernstadt und (konservativer) l\u00e4ndlicher Stadtrand \u2013 geteilt. Dies zeigte sich auch am Ergebnis der M\u00fcnsterliste 2020, die zwischen 0,44 Prozent in Hiltrup-Ost (s\u00fcdlicher Stadtrand) und 3,37 Prozent im ehemals von Arbeiter:innen dominierten S\u00fcdviertel am Rande der Innenstadt errang. Angesichts der nur kurzen Vorbereitungszeit von rund neun Monaten ein gro\u00dfer Wahlerfolg der kommunalistischen Liste, der allerdings verpuffte, als der gew\u00e4hlte Mandatstr\u00e4ger schon vor der konstituierenden Sitzung des neuen Stadtrates die M\u00fcnsterliste verlie\u00df, um das Mandat allein und ohne Absprachen (sowie ohne Abf\u00fchrung von Mandatsgeldern) aus\u00fcben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ungleichheiten beseitigen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Ziel der M\u00fcnsterliste ist die Verwirklichung des \u201eKommunalen Sozialismus\u201c. Triebfedern f\u00fcr die Gr\u00fcndung der kommunalistischen Liste waren das genannte \u00fcbergeordnete Ziel und zudem die seit Jahrhunderten bestehenden <em>sozialen Ungleichheiten<\/em> sowie die durch menschliches Handeln herbeigef\u00fchrten heutigen und zuk\u00fcnftigen <em>\u00f6kologischen Vernichtungen<\/em> sowohl des Lebensumfeldes als auch des gesamten Planeten. Dazu wurde ein kommunales, egalit\u00e4res, antiautorit\u00e4res Konzept auf Grundlage der fr\u00fcheren und aktuellen kommunalistischen Erfahrungen, der theoretischen \u00dcberlegungen des amerikanischen Denkers Murray Bookchins (1921 &#8211; 2006), der aktuellen Forderungen des internationalen Munizipalismus sowie der herrschaftsarmen direkten Demokratie aufgestellt. Vier politische Prinzipien pr\u00e4gen das Konzept der M\u00fcnsterliste: <em>nachhaltig<\/em>, <em>sozial<\/em>, <em>offen<\/em> und <em>basisdemokratisch<\/em>. An diesen vier Zielen sollte sich die Politik der M\u00fcnsterliste in und au\u00dferhalb der institutionalisierten Kommunalpolitik messen lassen. Da bei nahezu jeglicher Ma\u00dfnahme zwischen allen vier Zielen Widerspr\u00fcche zu erwarten sind, muss jede Ma\u00dfnahme intensiv diskutiert werden. Dies sollte grunds\u00e4tzlich nicht nur intern sondern f\u00fcr die M\u00fcnsterliste f\u00fcr alle interessierten Einwohner:innen offen diskutiert werden. Dabei sollte das zuk\u00fcnftige Ziel, jegliche Ma\u00dfnahmen der \u201e\u00d6ffentlichen Angelegenheiten\u201c in direkten Versammlungen in den Stadtteilen und D\u00f6rfern in Vollversammlungen aller Einwohner:innen zu diskutieren und entscheiden zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kommune selbst verwalten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Kommune im Verst\u00e4ndnis der M\u00fcnsterliste ist die Kommune ein Zusammenschluss aller Menschen, die auf einem umgrenzten r\u00e4umlichen Gebiet ihren dauerhaften Lebensmittelpunkt besitzen. Die im Grundgesetz verankerte Auffassung, dass die Kommunen oder Gemeinden nicht selbst\u00e4ndig sind, sondern staatsorganisationsrechtlich als Teil der jeweiligen Bundesl\u00e4nder und damit nicht als \u201edritte Ebene\u201c im f\u00f6deralen Staatsaufbau der Bundesrepublik zu betrachten sind, lehnt die M\u00fcnsterliste ab. Das verfassungsrechtlich garantierten Recht der kommunalen Selbstverwaltung (Art. 28 Abs. 2 GG), wodurch Gemeinden eine sehr beschr\u00e4nkte Eigenst\u00e4ndigkeit erhalten, muss nach Auffassung der M\u00fcnsterliste neu interpretiert werden. Das deutsche Grundgesetz bestimmt, dass Kommunen die M\u00f6glichkeit gegeben werden muss, \u201e[\u2026] alle Angelegenheiten der \u00f6rtlichen Gemeinschaft im Rahmen der Gesetze in eigener Verantwortung zu regeln\u201c. F\u00e4llt \u201eim Rahmen der Gesetze\u201c weg, ist die Basis f\u00fcr eine kommunalistische eigenverantwortliche Selbstbestimmung der \u00f6rtlichen und allgemeinen \u00f6ffentlichen Angelegenheiten gew\u00e4hrleistet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kommunen in Deutschland sind seit der franz\u00f6sischen Besetzung der deutschen L\u00e4nder durch die Armeen Napoleons Anfang des 19. Jahrhunderts im Staatsaufbau abh\u00e4ngige Basisinstitution der jeweiligen Herrschaft. Der skandinavische Kommunalist und Wissenschaftler Eirik Eiglad analysierte: \u201eAlle Macht, \u00fcber die Nationalstaaten heute verf\u00fcgen, besitzen sie auf Kosten volksbasierter und demokratischer Formen der Staatsgewalt. Wir [Kommunalist:innen] sind der Auffassung, dass die Gemeinde eine grundlegende menschliche Einrichtung ist und somit wieder an politischer Macht gewinnen sollte. [\u2026] Kommunalist:innen streben zweitens danach, bestehende Kommunen zu <em>demokratisieren<\/em>, indem deren B\u00fcrger:innen an der Macht teilhaben. Es reicht nicht die Macht der Kommunen zu st\u00e4rken; sie m\u00fcssen auch grundlegend <em>restrukturiert<\/em> werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die M\u00fcnsterliste vertritt dabei das Konzept \u201e<em>Kommune selbst verwalten<\/em>\u201c. Dies beinhaltet grob skizziert, die Abschaffung der bestehenden parlamentarisch-demokratisch besetzten Gremien in der Kommune (Stadt- und Gemeinder\u00e4te, durch die R\u00e4te besetzte Aussch\u00fcsse und sonstige Institutionen wie zum Beispiel Aufsichtsr\u00e4te, Beir\u00e4te, Bezirksvertretungen und andere direkt oder indirekt gew\u00e4hlte untere und obere Gremien) und Ersetzung durch Versammlungen aller Einwohner:innen in den Stadtteilen und D\u00f6rfern, die nach Diskussion direkt und unmittelbar entscheiden, sowie durch die mit imperativem Mandat ausgestattete Delegiert:innen in den Gremien der \u00fcbergeordneten Konf\u00f6deration(en) (siehe unten). Auch die Kommunalverwaltung mitsamt direkt oder indirekt gew\u00e4hlter F\u00fchrungselite, die nat\u00fcrlich abgel\u00f6st werden muss, muss ver\u00e4ndert werden, da sie in der bestehenden Form seit Napoleon auf \u201eBefehl und Gehorsam\u201c aufgebaut ist, womit sie lediglich ein Machtinstrument der im Staat Herrschenden ist. Die \u00f6rtliche Verwaltung muss ein Instrument zur Selbstverwaltung der Einwohner:innen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die einzelnen Bereiche der \u00f6rtlichen \u00f6ffentlichen Aufgaben in der Kommune werden von besch\u00e4ftigten Mitarbeiter:innen \u00fcbernommen, die von direkt gew\u00e4hlten Einwohner:innen gef\u00fchrt werden. Deren Amtszeit ist zeitlich (zum Beispiel auf ein Jahr) begrenzt ist und die jeweilige F\u00fchrung erfolgt kollektiv. Auch Mitarbeiter:innen des jeweiligen Aufgabenbereichs k\u00f6nnen Teil des kollektiven Leitungsteam werden. Dabei sind grunds\u00e4tzlich die Kommune weiten Selbstorganisationen der \u00f6rtlichen Vereinigungen wie zum Beispiel Umweltforen, Stadtsportb\u00fcnde, Stadtjugendringe, Kleingartenverb\u00e4nde, Heimatb\u00fcnde, usw. als f\u00fcr ihren Aufgabenbereich federf\u00fchrende Institutionen anzusehen und zumindest zu beteiligen, falls sie im jeweiligen Stadtteil oder Dorf nicht durch eigene selbst\u00e4ndige Vereinigungen pr\u00e4sent sind. Ein Beispiel: Die \u00f6rtlichen Umwelt- und Naturschutzgruppen sind f\u00fcr die \u00f6kologischen intakten Verh\u00e4ltnisse in ihrem Stadtteil oder Dorf verantwortlich. Gesch\u00fctzte Fl\u00e4chen werden von ihnen verwaltet und verteidigt. Alle kommunalwirtschaftlichen Aufgaben (siehe auch \u201eDaseinsvorsorge als bedingungslose Grundsicherung\u201c) werden nicht mehr von Kapitalgesellschaften durchgef\u00fchrt und verantwortet sondern als Eigenbetriebe \u2013 mit besch\u00e4ftigten Mitarbeiter:innen und gew\u00e4hlte kollektiven Leitungen \u2013 gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Daseinsvorsorge als bedingungslose Grundsicherung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Wissenschaftler Klaus D\u00f6rre pl\u00e4diert f\u00fcr eine <em>bedingungslose Grundsicherung<\/em> der Menschen: \u201eGesellschaften funktionieren am besten mit einer gut ausgebauten Nahversorgung und Daseinsvorsorge, die allen zur Verf\u00fcgung steht.\u201c F\u00fcr die amerikanische Philosophin Nancy Fraser geh\u00f6ren zu den Grundbed\u00fcrfnisse der Menschen: \u201eUnterkunft, Kleidung, Nahrung, Bildung, Gesundheitsversorgung, Transport, Kommunikation, Energie, Freizeit, sauberes Wasser und saubere Luft zum Atmen.\u201c Dabei verdeutlicht Fraser, dass die Daseinsvorsorge auch dem Wandel unterliegt: \u201eEs stimmt nat\u00fcrlich, dass wir nicht ein f\u00fcr alle Mal festlegen k\u00f6nnen, was genau als Grundbed\u00fcrfnis gilt und was genau erforderlich ist, um es zu befriedigen. Auch das muss Gegenstand demokratischer Diskussionen, Auseinandersetzungen und Entscheidungen sein. Aber was auch immer dazu gez\u00e4hlt wird, muss als Rechtsanspruch bereitgestellt werden und nicht auf der Grundlage der individuellen Zahlungsf\u00e4higkeit.\u201c Nancy Fraser verdeutlicht, dass die genannten \u201eGebrauchswerte, die wir zur Befriedigung dieser Bed\u00fcrfnisse produzieren, keine Waren sein k\u00f6nnen, sondern sie m\u00fcssen \u00f6ffentliche G\u00fcter sein.\u201c Sie fordert: \u201eEine sozialistische Gesellschaft sollte sie aber als \u00f6ffentliche G\u00fcter betrachten. Es sollte an der Basis keine M\u00e4rkte geben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Kommunale Daseinsvorsorge<\/em> umfasst f\u00fcr die M\u00fcnsterliste die Bereiche Essen und Trinken, Wohnen, Gesundheit und Pflege, Bildung, Information, Ver- und Entsorgung (Wasser, Strom, W\u00e4rme, Kommunikation, Abfall, Abwasser) sowie lokale und regionale Mobilit\u00e4t. Ziel der M\u00fcnsterliste ist es, diese Daseinsvorsorge allen Einwohner:innen der Kommune kostenfrei und in \u201ehaushaltstypischen\u201c Mengen zur Verf\u00fcgung zu stellen. Finanziert werden soll diese mit m\u00f6glichst gro\u00dfer kommunaler Autarkie gestellte Daseinsvorsorge, die nat\u00fcrlich kritische Produkte von Alkohol \u00fcber S\u00fc\u00dfigkeiten bis Atomstrom oder r\u00e4umlich begrenztem Flugverkehr nicht beinhaltet, durch eine 75prozentige Abgabe auf alle Verdienste und Einkommen der der Kommune angeh\u00f6rigen Einwohner:innen. Mit den verbleibenden 25 Prozent des Einkommens, was f\u00fcr alle Normalverdiener:innen deutlich mehr an Finanzvolumen ist, als sie heute abz\u00fcglich der oben genannten Daseinsvorsorge zur Verf\u00fcgung haben, k\u00f6nnen alle weiteren W\u00fcnsche (wie Urlaub, Genussmittel, kulturelle und sportliche Aktivit\u00e4ten, etc.) erf\u00fcllt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Da es nat\u00fcrlich auch Menschen gibt, die zum Beispiel durch Alter oder Handicap selbst nicht die M\u00f6glichkeit haben, Einkommen zu generieren, muss f\u00fcr diese ein zus\u00e4tzliches Budget f\u00fcr den Zugang zu oder Erwerb von sonstigen Waren und Konsumm\u00f6glichkeiten geben. Allerdings betrifft dies deutlich weniger Menschen als in der heutigen Gesellschaft, da im Kommunalismus oder Kommunalen Sozialismus s\u00e4mtliche Care-Arbeit der Einwohner:innen verg\u00fctet werden soll. Selbst die Ausbildung, die sp\u00e4ter nat\u00fcrlich der Gemeinschaft zu Nutze sein wird, muss dann mit Einkommen verg\u00fctet werden. Als deutliches Beispiel ist das Krabbelkind in der Tageseinrichtung f\u00fcr Kinder. Die dort verbrachte Zeit wird dem Kind finanziell verg\u00fctet. Dies geht \u00fcber die gesamte Ausbildung bis zum Abschluss so weiter. Lediglich rein private, also praktisch intime, F\u00fcrsorge, die vermutlich auch niemand in der Gemeinschaft als \u201eBeitrag zur Gesellschaft\u201c reklamieren d\u00fcrfte, wird nicht durch Einkommen entlohnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies ist finanziell keinesfalls unrealistisch. Heute werden zum Beispiel in Deutschland den erwerbst\u00e4tigen Menschen grunds\u00e4tzlich \u00fcber 50 Prozent des Einkommens f\u00fcr Steuern, Geb\u00fchren und Sozialabgaben abgezogen. Zus\u00e4tzlich kommen die bei bedingungslose Grundsicherung wegfallenden \u2013 angeblich nicht mehr als 30 Prozent des Einkommens betragenden \u2013 Wohn- und Wohnnebenkosten, die Basisern\u00e4hrung sowie die Leistungen f\u00fcr Bildung, Information, Ver- und Entsorgung sowie die lokale und regionale Mobilit\u00e4t hinzu, womit auch die Care-Kosten ausgeglichen sein d\u00fcrften.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Stadtregion als Konf\u00f6deration der Stadtviertel und D\u00f6rfer<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Um die Daseinsvorsorge als bedingungslose Grundsicherung m\u00f6glichst autark zu gew\u00e4hrleisten, was nat\u00fcrlich niemals zu 100 Prozent gelingen wird, m\u00fcssen die kommunalistischen Gemeinschaften ein bestimmte Gr\u00f6\u00dfe an Menschen und auch Fl\u00e4che (zur Erzeugung der Lebensmittel und zum Beispiel zur Erzeugung der Energie sowie auch der Abfallentsorgung, soweit sie dieser nicht wiederverwertet werden kann) haben. Die M\u00fcnsterliste sch\u00e4tzt, dass praktisch das gesamte M\u00fcnsterland mit den rund 1,6 Millionen Einwohner:innen als oberste kommunale konf\u00f6derative Einheit zusammengeh\u00f6ren muss. Diese Stadtregion, f\u00fcr die es ansatzweise in Hannover und Aachen existierende Beispiele gibt, m\u00fcsste m\u00f6glichst viele der notwendigen Ressourcen beinhalten, was nat\u00fcrlich bei gro\u00dfen St\u00e4dten wie Berlin mit \u00fcber 3,4 Millionen Einwohner:innen oder gar bei den globalen Megast\u00e4dten wie zum Beispiel Tokio (37,2 Millionen Einwohner:innen), Delhi (32,9), Shanghai (29,2), Dhaka (23,2), S\u00e3o Paulo (22,6), Mexiko-Stadt (22,3), Kairo (22,2) oder Peking (21,8) nur mit gewaltigen \u201eHinterland\u201c der St\u00e4dte m\u00f6glich sein wird. Auch da wird eine Dezentralisierung in der Konf\u00f6deration notwendig sein, um die aufgezeigte kommunale Daseinsvorsorge m\u00f6glichst autark zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00d6ffentliches Eigentum st\u00e4rken<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Um die Daseinsvorsorge als bedingungslose Grundsicherung dauerhaft zu sichern, muss der Grund und Boden sowie alle Gew\u00e4sser in der Gemeinde in \u00f6ffentlich Besitz gelangen. Damit wird der, wie schon Karl Marx schrieb, \u201edas Eigentum an Grund und Boden, die Quelle allen Reichtums\u201c in Gemeinbesitz der jeweiligen Kommune \u00fcberf\u00fchrt. Dies geschieht nicht zwingend revolution\u00e4r, sondern kann auch durch die notwendigen Abgaben in H\u00f6he von 75 Prozent bei Vererbung erfolgen. Als Sofortma\u00dfnahme m\u00f6chte die M\u00fcnsterliste allen Besitz an Grund und Boden ausschlie\u00dflich in der Gemeinde wohnenden Menschen erm\u00f6glichen. Nicht ortsans\u00e4ssige Privatpersonen und alle Gesellschaften \u2013 sofern diese in kommunalen oder staatlichen Besitz sind geht der Boden direkt in den Gemeindebesitz \u00fcber \u2013 m\u00fcssen also ihren Bodenbesitz abgeben, damit die Gemeinde mit ihren eigenen Ressourcen m\u00f6glichst optimal die Einwohner:innen versorgen kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ungleichheitskonflikte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie schon oben benannt, ging und geht es den Mitgliedern der M\u00fcnsterliste insbesondere um die Positionierung innerhalb der in der Gesellschaft und nat\u00fcrlich auch den lokalen Gemeinschaften existierenden Ungleichheitskonflikte. Die M\u00fcnsterliste ist antiautorit\u00e4r sozialistisch ausgerichtet, was bedeutet, dass neben m\u00f6glichst viel Freiheit f\u00fcr den Einzelnen m\u00f6glichst viel Gleichheit der Lebensbedingungen angestrebt wird. \u201eWem steht was zu?\u201c Diese Frage ist in jedem der vier Ungleichheitskonfliktfelder nach dem genannten Prinzipien auszuhandeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Die trotz zahlreicher \u00dcberlappung relativ eigenst\u00e4ndig zu betrachtenden Bereiche der jeweiligen Ungleichheitskonfliktfelder sind \u201e<em>Oben-Unten-Ungleichheit<\/em>\u201c, \u201e<em>Innen-Au\u00dfen-Ungleichheit<\/em>\u201c, \u201e<em>Wir-Sie-Ungleichheit<\/em>\u201c<em> <\/em>und \u201e<em>Heute-Morgen-Ungleichheit<\/em>\u201c. Sie passen zu den Prinzipien der M\u00fcnsterliste: sozial und offen, basisdemokratisch sowie nachhaltig. Oben-Unten-Ungleichheit, so die deutschen Soziologen Steffen Mau, Thomas Lux und Linus Westheuser, ist durch sozio\u00f6konomische Verteilungskonflikten, also der klassischen sozialen Frage, gekennzeichnet. Innen-Au\u00dfen-Ungleichheit beschreibt die Kontroversen um Migration, territorialen Zugang und Inklusion. Wir-Sie-Ungleichheit umfasst die Teilhabe f\u00fcr alle und insbesondere die identit\u00e4tspolitischen Anerkennungskonflikte. Heute-Morgen-Ungleichheit schlie\u00dflich umfasst das im Kommunalismus sehr bedeutende Konfliktfeld der umweltpolitischen Auseinandersetzungen, in der Murray Bookchin mit seinen Werken zu \u201eSozialer \u00d6kologie\u201c interessante \u00dcberlegungen zur Beziehung der Umwelt und der Erscheinungsform der Gesellschaft ver\u00f6ffentlicht hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Die M\u00fcnsterliste hat dazu 2020 die vier Prinzipien nachhaltig, sozial, offen und basisdemokratisch als politisches Hilfsmitte zur Konfliktl\u00f6sung gefunden:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2192 sozial<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>M\u00fcnster ist sicherlich keine arme Stadt. Trotzdem leben viele M\u00fcnsteraner:innen mit einem sehr kleinen finanziellen Budget. M\u00fcnster kann mehr! Auch wenn viele Unterst\u00fctzungen f\u00fcr Menschen mit geringem oder keinem Einkommen auf Landes- oder Bundesgesetzen beruhen, kann auch die Stadt M\u00fcnster sehr viel mehr f\u00fcr ihre Einwohner:innen ohne Verm\u00f6gen oder ohne gutes Einkommen tun, als es bislang bei uns der Fall ist.<\/p>\n\n\n\n<p>In M\u00fcnster lebt es sich sehr gut, wenn gen\u00fcgend Einkommen oder Verm\u00f6gen vorhanden ist. F\u00fcr immer mehr Menschen wird es aber immer schwieriger in unserer Stadt zu (\u00fcber)leben. Die Mieten steigen scheinbar unaufh\u00f6rlich und die vorhandene Stadtentwicklungspolitik nimmt wenig R\u00fccksicht auf die Menschen und stellt den Profit von Unternehmen in den Mittelpunkt. So kommt es immer wieder zur Verdr\u00e4ngung selbst alteingesessener Viertelbewohner:innen und der \u00f6rtlichen Handwerksbetriebe sowie der Kleingewerbetreibenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Gesch\u00e4tzt bis zu 80.000 Menschen mit direkter Migrationsvorgeschichte leben in der Stadt. Obwohl viele inzwischen durch Selbstst\u00e4ndigkeit in Handel, Gastronomie und Gewerbe schon zu tragenden S\u00e4ulen unserer Gesellschaft geworden sind und noch mehr insbesondere im Dienstleistungssektor \u2013 leider allzu h\u00e4ufig in ungesicherten Minijobs oder auch illegal besch\u00e4ftigt \u2013 t\u00e4tig sind, ist dies in den F\u00fchrungsetagen unserer Stadtverwaltung, den st\u00e4dtischen Gesellschaften und Unternehmungen und allerdings auch in den Leitungsgremien wichtiger Vereinigungen in M\u00fcnster kaum zu bemerken. Dies gilt genauso f\u00fcr die aufgrund ihres geringen Einkommens oder Verm\u00f6gens sozial Ausgegrenzten in M\u00fcnster. Es ist unertr\u00e4glich, dass die \u201eM\u00fcnster-Tafel\u201c, die an ihren 21 Ausgabestellen in der Stadt nur Essen und Waren nach Vorlage eines Nachweises (zum Beispiel Hartz IV-Bescheid oder Grundsicherungsnachweis) f\u00fcr zwei Euro ausgibt, nach eigenen Angaben bereits w\u00f6chentlich \u00fcber 10.000 \u201eKund:innen\u201c hat.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Gr\u00fcndung einer niedrigschwellige Beratungs- und Hilfeeinrichtung f\u00fcr M\u00fcnster. Diese soll durch einen offenen, unabh\u00e4ngigen, dauerhaft kommunal finanzierten Verein, der auch kostenlose Rechtsberatung anbietet, getragen werden. Die Beratungen sollen bei aus dem Ausland Zugezogenen m\u00f6glichst in deren Sprache erfolgen.<\/li>\n\n\n\n<li>Einf\u00fchrung eines den \u201eneuen\u201c M\u00fcnsterpass \u2013 digitalisiert mit Passbild und integriertem Chip, so dass der neue M\u00fcnsterpass auch zum Bezahlen genutzt werden kann. Er soll zudem an alle Einwohner:innen mit Bedarf ausgegeben werden. Dazu geh\u00f6ren auch M\u00fcnsteraner:innen mit nachgewiesenem geringen Einkommen im Vorjahr. Zudem m\u00fcssen die Leistungen ausgeweitet werden. Die Bus- und m\u00f6glichst auch die Bahnnutzung im Stadtgebiet soll f\u00fcr M\u00fcnsterpassinhaber:innen kostenfrei werden. Mehrere kostenfreie Schwimmbadbesuche im Jahr, die kostenlose Ausleihe in der Stadtb\u00fccherei und weitere Verg\u00fcnstigungen geh\u00f6ren ebenso dazu.<\/li>\n\n\n\n<li>Armut durch F\u00f6rderung der Selbsthilfe bek\u00e4mpfen. Teilhabe aller Einwohner:innen dezentral erm\u00f6glichen. Abbau von institutionellen H\u00fcrden bei der kommunalen Unterst\u00fctzung f\u00fcr Menschen mit geringem Einkommen.<\/li>\n\n\n\n<li>Sicherung des \u201eMenschenrechts auf Wohnen\u201c durch eine kommunale Satzung.<\/li>\n\n\n\n<li>Mehr \u2013 insbesondere \u00f6ffentlich gef\u00f6rderter \u2013 Wohnungsbau durch Wohn- und Stadtbau, anderer st\u00e4dtischer Tr\u00e4ger sowie durch gemeinn\u00fctzige Genossenschaften und Vereine. Kommunale F\u00f6rderung aller gemeinschaftlichen Wohnformen.<\/li>\n\n\n\n<li>Einrichtung eines Mieter:innenrates bei der st\u00e4dtischen Wohn- und Stadtbau. Verpflichtung zu Schaffung sozialer Treffpunkte f\u00fcr Mieter:innen in deren Wohnquartieren durch die Vermieter:innen.<\/li>\n\n\n\n<li>Wissen und Erfahrung der Menschen in der \u00e4lter werdenden Gesellschaft f\u00fcr die kommunale Entwicklung nutzen. St\u00e4rkung der stadtteilorientierten Institutionen. F\u00f6rderung der Selbstverwaltung der Einrichtung f\u00fcr \u00e4ltere Einwohner:innen.<\/li>\n\n\n\n<li>Bildungsgerechtigkeit f\u00fcr alle Kinder in der Stadt. Schaffung von selbstverwalteten Einrichtungen f\u00fcr Jugendliche.<\/li>\n\n\n\n<li>St\u00e4rkung der stadtteilorientierten Mehrsparten-Sportvereine mit Angeboten f\u00fcr Einwohner:innen jeden Alters.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>\u2192 offen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>M\u00fcnster wird schnell das Etikett \u201eprovinziell\u201c angeheftet. Tats\u00e4chlich mahnen noch immer die K\u00f6rbe an der Lambertikirche \u2013 M\u00fcnster solle auf Experimente verzichten. Aber das Stadtklima \u00e4nderte sich in den vergangenen 50 Jahren erheblich. Der SC Preu\u00dfen M\u00fcnster stieg zwar inzwischen bis in die vierte Liga ab, aber M\u00fcnster wurde \u2013 dank der Studierenden und mutiger Kulturschaffender \u2013 weltoffener und internationaler. Aus dem muffigen \u201eSchreibtisch Westfalens\u201c der Preu\u00dfenzeit ist eine bunte und internationale Stadt geworden, in der sogar die katholischen Frauen (\u201eMaria 2.0\u201c) zum Kirchenstreik aufrufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Offenheit in unserer Stadtgesellschaft m\u00f6chten wir erhalten. Sowohl Zugezogene als auch Einheimische sollen aber trotz ihrer Individualit\u00e4t zu einer noch besseren lokalen Gemeinschaft zusammenfinden. Dies geht am besten in den D\u00f6rfern, Nachbarschaften und Stadtvierteln. Dort ist es kein Problem, wenn die Nachbarin zun\u00e4chst durch die Geburtsurkunde als m\u00e4nnlich festgelegt wurde oder der hilfsbereite Handwerker aus dem Nebenhaus seine F\u00e4higkeiten in Syrien erlernte. Gut ist auch, dass die beiden zufriedenen M\u00e4nner im Dachgeschoss inzwischen verheiratet sind und dass die pflegebed\u00fcrftige Altmieterin im Parterre \u2013 Dank der hilfsbereiten Nachbarschaft \u2013 weiterhin in ihrem langj\u00e4hrigen Wohnumfeld bleiben kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses \u2013 nat\u00fcrlich nicht immer stressfreie \u2013 Miteinander ist nicht selbstverst\u00e4ndlich. Die Stadtgesellschaft und auch Politik und Verwaltung m\u00fcssen einerseits daf\u00fcr sorgen, dass die Nachbarschaften und lokalen Vereinigungen erhalten bleiben und dass andererseits ganz M\u00fcnster offen bleibt \u2013 auch und gerade f\u00fcr die vielen Menschen die aus nah und fern nach M\u00fcnster kommen, um zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Unterst\u00fctzung bei Rettung, Aufnahme und Integration von gefl\u00fcchteten und fl\u00fcchtenden Menschen. Sofortige Aufnahme von 372 Menschen in M\u00fcnster, die aus Seenot gerettet wurden.<\/li>\n\n\n\n<li>Aktive und finanzielle Unterst\u00fctzung der privaten Seenotrettung \u2013 nicht nur im Mittelmeer \u2013 durch die Stadt M\u00fcnster und ihrer Einwohner:innen.Abschaffung von Sammelunterk\u00fcnften.Weiterentwicklung der vorhandenen Willkommenskultur zu einer Willkommensstruktur.<\/li>\n\n\n\n<li>Gr\u00fcndung eines selbstverwalteten \u201eHauses der Kulturen\u201c.<\/li>\n\n\n\n<li>Wahl eines*r ehrenamtlichen B\u00fcrgermeister*in mit dem Aufgabenschwerpunkt \u201eZugezogene aus dem Ausland\u201c durch den Integrationsrat der Stadt M\u00fcnster.<\/li>\n\n\n\n<li>St\u00e4rkere F\u00f6rderung der Migrantenselbstorganisationen (MSO\u00b4s) in unserer Stadt und mehr Eigenmittel f\u00fcr den Integrationsrat der Stadt M\u00fcnster.<\/li>\n\n\n\n<li>Bevorzugte Einstellung von Bewerber:innen mit Migrationsvorgeschichte \u2013 bei gleicher Qualifikation \u2013 in der Verwaltung der Stadt sowie den \u00f6ffentlichen, kommunalen Einrichtungen.<\/li>\n\n\n\n<li>Kein Mensch ist ohne Handicap. Beseitigung der sozialen, politischen und baulichen H\u00fcrden in der Stadt.<\/li>\n\n\n\n<li>Gr\u00fcndung und Aufbau eines \u201eFriedenshauses\u201c, in dem Gespr\u00e4che zur L\u00f6sung von kleineren und gr\u00f6\u00dferen \u2013 bis hin zu internationalen \u2013 Konflikten gesucht werden k\u00f6nnen.<\/li>\n\n\n\n<li>Umbenennung der \u201eDanziger Freiheit\u201c in \u201eMay-Ayim-Platz\u201c, um die in M\u00fcnster aufgewachsene Lyrikerin und afrodeutsche Aktivistin zu ehren und ein sichtbares Zeichen gegen Ausgrenzung und Rassismus sowie f\u00fcr M\u00fcnsters Internationalit\u00e4t zu setzen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>\u2192 basisdemokratisch<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In unserer Stadt gibt es eine hoch engagierte Zivilgesellschaft. Sie reicht von punktuellen B\u00fcrgerinitiativen \u00fcber die Stadtteilarbeit in viele kommunalpolitisch relevante \u2013 aber nat\u00fcrlich auch \u00fcber\u00f6rtliche bis globale \u2013 Aufgabenfelder. Allerdings haben diese Vereine, Gruppen und Initiativen wenig Einfluss und praktisch keine kommunalen Entscheidungsrechte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u201eM\u00fcnster Liste \u2013 bunt und international\u201c tritt bei der Kommunalwahl an, um den Menschen durch ihre Vereinigungen direkten Einfluss auf die Entscheidungen in ihrem Lebensumfeld zu geben. Das zivilgesellschaftliche Potenzial kann genutzt werden, um in M\u00fcnster die Kommunale Selbstverwaltung zur durch die Einwohner:innen selbst verwalteten Kommune weiter zu entwickeln. Dazu m\u00fcssen keine Landes- oder Bundesgesetze sowie EU-Vorschriften ge\u00e4ndert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Sport in M\u00fcnster gibt es diese Selbstverwaltung schon seit Jahrzehnten. Die \u00dcberlassung von Sportanlagen war ein erster Schritt mit Selbstverwaltung \u00f6ffentlicher Aufgaben durch die gemeinn\u00fctzig organisierten Einwohner:innen. Besonders wichtig war, dass mit dem Stadtsportbund schon seit \u00fcber 100 Jahren eine stadtweite Organisation besteht, der alle Vereine angeh\u00f6ren, die \u00f6ffentliche Aufgaben im Sport wahrnehmen. Dieses Selbstverwaltungsorgan ist in der Lage, durch die Aktiven im Verband und den Vereinen zu einem demokratisch verfassten, transparenten Koordinationsgremium weiterentwickelt zu werden, das selbstbestimmt die gemeinn\u00fctzigen sportlichen Aufgaben f\u00fcr die gesamte Stadt verwaltet. Dabei m\u00fcssen die beteiligten Vereine offen f\u00fcr alle Einwohner:innen sein und zudem m\u00f6glichst transparent arbeiten. Eine Ver\u00f6ffentlichung des Jahresberichts \u00fcber die zur\u00fcckliegenden T\u00e4tigkeiten sowie der daf\u00fcr aufgewendeten Finanzen muss jeweils im ersten Halbjahr obligatorisch sein. Dies gilt im Rahmen des Konzeptes \u201eKommune selbst verwalten\u201c nat\u00fcrlich f\u00fcr den jeden Stadtverband und seine Mitglieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die bestehenden kommunalen Selbstverwaltungsgremien \u2013 insbesondere die Bezirksvertretungen \u2013 m\u00fcssen gest\u00e4rkt werden und zus\u00e4tzliche Entscheidungsrechte sowie einen gr\u00f6\u00dferen Etat erhalten. Auch die Stadt M\u00fcnster muss mehr Ressourcen und Selbstverwaltungsrechte vom Land NRW erhalten.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Einstieg in das Konzept \u201eKommune selbst verwalten\u201c mit mehr eigenst\u00e4ndigen Beschlussfassungen in Fachaussch\u00fcssen und lokalen Gremien der Einwohner:innen. Verst\u00e4rkte \u00dcberlassung kommunale Fl\u00e4chen und Einrichtungen in Selbstverwaltung durch offene, gemeinn\u00fctzige, transparente, lokale Vereinigungen.<\/li>\n\n\n\n<li>Dezentralisierung der kommunalpolitischen Entscheidungen und der \u00f6ffentlichen Verwaltung bei Erweiterung des Mitbestimmungsrechts der Einwohner:innen der Umlandgemeinden an Entwicklung M\u00fcnsters. Erweiterung der Entscheidungsrechte der Bezirksvertretungen. Mehr kleinr\u00e4umige Einwohner:innenbeteiligung durch Versammlungen und Befragungen.<\/li>\n\n\n\n<li>Fr\u00fchere Information und Beteiligung der Einwohner:innen.<\/li>\n\n\n\n<li>Insbesondere in den umliegenden \u2013 zur Stadt geh\u00f6renden \u2013 D\u00f6rfern aber auch in den Stadtteilen M\u00fcnsters ben\u00f6tigen soziale Initiativen selbst verwaltete, dauerhaft und langfristig kommunal finanzierte L\u00e4den und Zentren. Wir wollen allen Einwohner:innen M\u00fcnsters die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben durch stadtweite Beratungs- und Hilfeeinrichtungen erm\u00f6glichen.<\/li>\n\n\n\n<li>St\u00e4rkung der Bezirksvertretungen.<\/li>\n\n\n\n<li>Einberufung von Einwohner:innenversammlungen, wenn dies von mindestens 350 Einwohner:innen oder zwei Rats- oder Bezirksvertretungsfraktionen schriftlich verlangt wird. Mehrheitsbeschl\u00fcsse dieser Versammlungen sollen grunds\u00e4tzlich umgesetzt werden.<\/li>\n\n\n\n<li>Gemeingut geh\u00f6rt allen Einwohner:innen. \u00d6ffentliche Infrastruktur muss bezahlbar sein und allen zur Verf\u00fcgung stehen. Privatisierungen stoppen und kommunale Einrichtungen und Betriebe wieder zur\u00fcck in die demokratische Kontrolle der Einwohner:innen bringen.<\/li>\n\n\n\n<li>Digitalisierung unter Einwohner:innenbeteiligung in Richtung \u201eOpen City\u201c beziehungsweise \u201eSharing City\u201c (statt \u201eSmart City\u201c) entwickeln und ausbauen.<\/li>\n\n\n\n<li>Gerechte kommunale Steuerhebes\u00e4tze einf\u00fchren. Kommunale Unterst\u00fctzung f\u00fcr Soloselbst\u00e4ndige und F\u00f6rderung von ausgew\u00e4hlten Startups. Fristlose Besch\u00e4ftigung von lange erwerbslosen Menschen in kommunalen oder gemeinn\u00fctzigen Betrieben, Einrichtungen, Vereinigungen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>\u2192 nachhaltig<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Klimawandel betrifft M\u00fcnster nicht nur, sondern wird durch unser t\u00e4gliches Handeln in unserer Stadt sogar verst\u00e4rkt. Wollen wir den Klimawandel bremsen, muss der Umgang mit den nat\u00fcrlichen Ressourcen und unser Umwelt und Natur sich umfassend ver\u00e4ndern \u2013 auch in M\u00fcnster. Ein unbeschr\u00e4nktes Wachstum unserer Wirtschaft sowie unsere verbrauchsorientierte Lebensweise ist in einem von Natur aus begrenzten Lebensraum nicht m\u00f6glich, ohne die Entwicklungschancen k\u00fcnftiger Generationen massiv zu beschneiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist unsere Aufgabe die Natur- und Umweltressourcen f\u00fcr die nachfolgenden Generationen zu bewahren, die Artenvielfalt zu erhalten, die Kultur- und Landschaftsr\u00e4ume dauerhaft zu sichern und effektive Klimaschutz-Initiativen zu starten. Nachhaltigkeit muss in allen (kommunalen) Politikfeldern mitgedacht werden. Auch in der Sozial- und Finanzpolitik muss in M\u00fcnster Nachhaltigkeit an Bedeutung gewinnen. Dies insbesondere zum Wohl zuk\u00fcnftiger Generationen.<\/p>\n\n\n\n<p>In zwei Schritten machen wir die Innenstadt M\u00fcnsters immissionsarm.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Fahrzeuge mit Verbrennermotor d\u00fcrfen mittelfristig nicht mehr in die Innenstadt.<\/li>\n\n\n\n<li>Den G\u00fctertransport organisieren wir gemeinsam und kommunal. Dazu wird \u2013 vergleichbar mit dem Bussystem \u2013 ein \u00d6ffentlicher G\u00fcternahverkehr (\u00d6GNV) in M\u00fcnster eingerichtet.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Busverkehr in der Innenstadt wird kostenfrei nutzbar.<\/li>\n\n\n\n<li>Vorrang f\u00fcr den Umweltverbund aus Fu\u00df-, Rad- und \u00d6ffentlichen<\/li>\n\n\n\n<li>Personennahverkehr (\u00d6PNV) mit Bus und Bahn.<\/li>\n\n\n\n<li>Abbau von Verkehrsregelungen in der Innenstadt und Einf\u00fchrung des \u201eshared space\u201c auf vielen Wegen und Pl\u00e4tzen.<\/li>\n\n\n\n<li>Senkung der Regelgeschwindigkeit in der Stadt auf 30 km\/h beziehungsweise auf Schrittgeschwindigkeit im Umfeld von Einrichtungen f\u00fcr Kinder oder f\u00fcr Menschen mit Handicap.<\/li>\n\n\n\n<li>Wegfall aller kostenfreien Parkpl\u00e4tze.<\/li>\n\n\n\n<li>Ausstieg aus dem Kurzstreckenflugverkehr.<\/li>\n\n\n\n<li>Sofortiger Ausstieg aus dem Atomstrom und z\u00fcgiger Ausstieg aus dem Kohlestrom \u2013 daf\u00fcr klimaneutrale Energieversorgung.<\/li>\n\n\n\n<li>Begr\u00fcnung der nicht f\u00fcr Solarstromerzeugung genutzten D\u00e4cher.<\/li>\n\n\n\n<li>Baumschutzsatzung f\u00fcr M\u00fcnster.<\/li>\n\n\n\n<li>Einf\u00fchrung der Kreislaufwirtschaft mit bevorzugt lokalem und regionalem Wirtschaftskreisen.<\/li>\n\n\n\n<li>Verpackungssteuersatzung zur Reduzierung des Plastikm\u00fclls.<\/li>\n\n\n\n<li>F\u00f6rderung des Urban Farming und Gardening.<\/li>\n\n\n\n<li>Verpflichtung zur \u00f6kologischen Landwirtschaft auf allen im kommunalen Besitz befindlichen Agrarfl\u00e4chen.<\/li>\n\n\n\n<li>Erwerb von Agrarfl\u00e4chen und Umwandlung in der Natur \u00fcberlassene W\u00e4lder sowie naturnahe Freizeitfl\u00e4chen und Gemeinschaftsg\u00e4rten f\u00fcr die alle Einwohner:innen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Die Nachhaltigkeit spielt angesichts des Klimawandels und der aktuellen Erderw\u00e4rmung um sicherlich schon jetzt 1,5 Grad gegen\u00fcber der Vorindustrialisierung eine besondere, fast k\u00f6nnte es \u201e\u00fcbergeordnet hei\u00dfen, Rolle f\u00fcr die M\u00fcnsterliste. Sie versteht den Menschen als Teil der nat\u00fcrlichen, zuf\u00e4lligen an Nischen orientierten Evolution und keinesfalls als \u201eKr\u00f6nung der Sch\u00f6ffung\u201c. Deshalb muss sich der Mensch ebenso wie Fauna und Flora an das \u00f6kologische Gleichgewicht anpassen und Ver\u00e4nderungen und Ausnutzung zuk\u00fcnftig gleichwertig ausgleichen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Staatliche Repressionsmittel fallen weg<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der kommunalistischen \u00f6rtlichen Gemeinschaft werden selbstverst\u00e4ndlich auch Konflikte und zudem auch Gewalt auftreten. W\u00e4hrend Konflikte grunds\u00e4tzlich auch positiv f\u00fcr die Entwicklung einer Gemeinschaft sein k\u00f6nnen oder sogar sollten, ist Gewalt ein Problem, dass die jeweilige lokale Gemeinschaft in den Griff bekommen muss. Da die klassischen Repressionsmittel der heute und fr\u00fcher Herrschenden \u2013 dazu geh\u00f6ren Milit\u00e4r, Polizei, Ordnungsamt, Justiz \u2013 wegfallen, ist die Vollversammlung der betroffenen Einwohner:innen f\u00fcr die L\u00f6sung der Probleme zust\u00e4ndig. Die in der parlamentarischen Demokratie \u00fcbliche Gewaltenteilung f\u00e4llt weg, da die direkten \u00f6rtlichen Versammlungen der Menschen \u2013 und in \u00fcber\u00f6rtlichen F\u00e4llen die Organe der Konf\u00f6deration \u2013 allein die gesetzgeberische, richterliche und ausf\u00fchrende Gewalt aus\u00fcben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>M\u00fcnster, 6. Juni 2024<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Weitere Infos: <a href=\"https:\/\/m\u00fcnster-ist-bunt.de\/\">https:\/\/m\u00fcnster-ist-bunt.de\/<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das kommunalistische Projekt M\u00fcnsterliste \u2013 bunt und international. Der folgende Text wurde in gek\u00fcrzter Form als Referat am Workshop \u201eAlternative Formen der Basisorganisierung\u201c (gemeinsam organisiert vonCiudad Migrante und Netzwerk f\u00fcr Kommunalismus) im Rahmen des Recht auf Stadt Forums vom 7. bis 9. Juni 2024 in Berlin gehalten. 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