{"id":983,"date":"2024-11-04T00:19:18","date_gmt":"2024-11-04T00:19:18","guid":{"rendered":"https:\/\/kommunalismus.org\/?p=983"},"modified":"2025-01-19T20:32:30","modified_gmt":"2025-01-19T20:32:30","slug":"soziale-oekologie-will-ein-inklusives-und-diverses-wir-aufbauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kommunalismus.org\/?p=983","title":{"rendered":"Soziale \u00d6kologie will ein inklusives und diverses \u00abWir\u00bb aufbauen"},"content":{"rendered":"\n<p><br><em>Mit der <a href=\"https:\/\/trise.org\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/trise.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">TRISE<\/a>-Konferenz 2024 in Athen hat die \u00absocial ecology\u00bb-Bewegung im europ\u00e4ischen Raum einen grossen Schritt nach vorne gemacht.<\/em> <em>Rund 200<\/em> <em>Teilnehmende diskutierten \u00fcber so vielseitige Themen wie Stadtplanung von unten, Geschenk\u00f6konomie, Demokratischen Konf\u00f6deralismus,<\/em> <em>dekolonialen<\/em> <em>Widerstand in Indien oder Ecuador, Commons, matriarchale Kultur, indigene Selbstverwaltung oder Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t. Ein Schwerpunkt war kommunalistische (bzw. munizipalistische) Praxis. Dabei wurden auch Kontraste sichtbar \u2013 was kein Nachteil ist, sondern<\/em> <em>eine<\/em> <em>notwendige Voraussetzung f\u00fcr eine vertrauensvolle, fruchtbare Diskussionskultur in kommenden Debatten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Soziale \u00d6kologie (engl. <em>social ecology<\/em>) belegt l\u00e4ngst nicht mehr nur einen Nischenplatz in der politischen Theorie, sondern ist zu einer weltweit wachsenden Bewegung geworden. Immer schon mit einer Praxis der Pr\u00e4figuration verbunden \u2013 im Hier und Jetzt die zuk\u00fcnftige Gesellschaft aufbauen \u2013, bietet sie sozialen Bewegungen von Barcelona bis Rojava ein inspirierendes theoretisches Fundament. Umgekehrt l\u00e4sst sie sich die Theorie auf existierende Projekte anwenden, die eine pr\u00e4figurative, dezentrale, egalit\u00e4re und kooperative Praxis leben \u2013 von lokalen Ern\u00e4hrungssystemen ukrainischer Kleinb\u00e4uer*innen<a href=\"#sdendnote1sym\" id=\"sdendnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a> bis zu sozial-\u00f6kologischem Abfallmanagement<a href=\"#sdendnote2sym\" id=\"sdendnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a> \u2013 was wiederum die Theorie bereichert und erm\u00f6glicht, dass sie sich stetig weiterentwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Rund 200 Aktivist*innen und Forscher*innen zeichneten an der 5. Konferenz<a href=\"#sdendnote3sym\" id=\"sdendnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a> des Transnational Institute of Social Ecology (TRISE) ein beeindruckendes Bild von der momentanen sozialen \u00d6kologiebewegung. Mit \u00fcber 30 Pr\u00e4sentationen, sechs Keynotes, vier Buchvernissagen und einer Filmvorf\u00fchrung, jeweils mit Q&amp;A, war das dreit\u00e4gige Programm \u00e4usserst dicht und die Bandbreite enorm. Thematische Bl\u00f6cke drehten sich um klassische Soziale-\u00d6kologie-Themen wie das Natur-Gesellschaft-Verh\u00e4ltnis, Dekolonisierung, direkte Demokratie, dual power, Urbanismus<a href=\"#sdendnote4sym\" id=\"sdendnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a>, Commons<a href=\"#sdendnote5sym\" id=\"sdendnote5anc\"><sup>5<\/sup><\/a>, Patriarchat-Kritik oder die kurdische Freiheitsbewegung. Trotz der Vielfalt war ein gemeinsames Verst\u00e4ndnis von sozialer Transformation (bottom-up, autonom, antiautorit\u00e4r, inklusiv usw.) sp\u00fcrbar, das die Teilnehmenden miteinander verband, ganz im Sinn der oft zitierten \u00abEinheit in der Vielfalt\u00bb (<em>unity in diversity<\/em>)<a href=\"#sdendnote6sym\" id=\"sdendnote6anc\"><sup>6<\/sup><\/a>. Zur guten Atmosph\u00e4re hat sicher auch beigetragen, dass es eine <em><a href=\"https:\/\/trise.org\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Brave-space-Trise-2024.pdf\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/trise.org\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Brave-space-Trise-2024.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">brave space policy<\/a><\/em> gab und die erste Rednerin, Krini Kafiris, \u00fcber nachhaltige Praxis in sozialen Bewegungen sprach \u2013 wie Burnouts und die Reproduktion patriarchaler Normen vermieden werden k\u00f6nnen. Frei nach Audre Lorde: Sich um die eigenen Bed\u00fcrnisse zu sorgen ist ein radikaler politischer Akt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kommunalistische Politik in der Praxis: Autonomie oder Munizipalismus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Strang, der sich durch die ganze Konferenz zog, war die direkte Demokratie \u2013 mit Bookchin gesprochen, das \u00d6ffnen einer \u00abpolitischen Sph\u00e4re\u00bb \u2013 im Gegensatz zu \u00ab<em>statecraft<\/em>\u00bb, also zum momentan vorherrschenden (hegemonialen), repr\u00e4sentativen Politiksystem. Dabei traten durchaus Kontraste zwischen den Redner*innen zutage.<\/p>\n\n\n\n<p>Flor\u00e9al M. Romero<a href=\"#sdendnote7sym\" id=\"sdendnote7anc\"><sup>7<\/sup><\/a> sprach aus dem Bewusstsein der Dringlichkeit des jetzigen historischen Moments, in dem der Kapitalismus alle Herrschaftsformen der Vergangenheit konzentriert und mit seinem Zwang zum Wachstum alles zur Ware macht, uns Menschen inklusive. Die soziale \u00d6kologie biete uns einen Vorteil, wenn wir diesen Zustand diagnostizieren wollen, und eine klare Vision f\u00fcr ein \u00abWir\u00bb, das die politische Sph\u00e4re <em>reclaimen<\/em> kann. Rom\u00e9ro bezieht sich auf die spanischen Anarchosyndikalist*innen und auf Bookchin, verortet sich jedoch dezidiert im ausserinstitutionellen Strategiefl\u00fcgel. Herk\u00f6mmliche Aktionsformen wie Demonstrationen, Petitionen oder Streiks (von Systemgewerkschaften) seien zu blossen Ritualen verkommen und vom System akzeptiert. \u00abWir m\u00fcssen das \u00fcberdenken und den Staat \u00fcberraschen\u00bb, forderte er. Alternativen wie Wohnprojekte, selbstverwaltete Orte, Konsumkooperativen oder Syndikalismus k\u00f6nnten dazu beitragen, eine parallele Gesellschaft zum Staat aufzubauen, die mit ihm in einem Spannungsverh\u00e4ltnis trete.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder betonte er in seinem Referat, dass es wichtig sei, diese Projekte zu einer Bewegung zu vereinen. \u00abDie Bewegungen zusammenzubringen\u00bb (<em>\u00ab<\/em><em>rassembler les mouvements<\/em><em>\u00bb<\/em>) heisse, sich um echte Bed\u00fcrfnisse der konkreten Menschen in den Quartieren und D\u00f6rfern zu k\u00fcmmern, so Rom\u00e9ro. Alle Bereiche, die vom Staat vernachl\u00e4ssigt w\u00fcrden, seien eine Chance f\u00fcr den Kommunalismus. Beispiele seien autonome B\u00e4uerinnen, die sich Landwirtschaftsmaschinen teilen, oder Ern\u00e4hrungsautonomie in \u00e4rmeren Quartieren, also nicht nur \u00abBio f\u00fcr die, die es sich leisten k\u00f6nnen.\u00bb Soziale Projekte, die auf jetzige Bed\u00fcrfnisse antworten, schaffen Schritt f\u00fcr Schritt die konkreten Orte, wo die Utopie real wird &#8211; und jetzt gehe es darum, diese Projekte zu f\u00f6derieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Hingegen warnte Romero vor Reformismus, der scheinbare L\u00f6sungen auf dem Tablett serviert und dadurch die sozialen Bewegungen absorbiert. Wenig \u00fcberzeugt ist er beispielsweise vom Munizipalismus in Barcelona oder den B\u00fcrger*innenlisten in Frankreich. \u00abMan verliert das Ziel aus den Augen: aus dem Kapitalismus aussteigen!\u00bb, so Romero.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kritik liess aber nicht auf sich warten. Dimitri Roussopoulos<a href=\"#sdendnote8sym\" id=\"sdendnote8anc\"><sup>8<\/sup><\/a> stellte die berechtigte Frage, wie er das Verh\u00e4ltnis der Bewegung zur Macht sehe und wie sich die Gegenmacht institutionalisieren lasse: \u00abWarum nicht einfach die munizipale Macht ergreifen, wie in Montr\u00e9al, wenn man schon eine starke Bewegung hat?\u00bb Flor\u00e9al M. Romero erwiderte, dass lokale Macht erzeugt werde, indem sich die Bewegungen vereinen und ein Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis (<em>dual power<\/em>) schaffen, um den Kapitalismus umzust\u00fcrzen. \u00dcbrigens auch global \u2013 diese Haltung sei nah beim Indigenismus, der ebenso den Kapitalismus und den Staat ablehne. Aber wenn versucht werde, in die staatlichen Institutionen einzutreten, ende das oft mit einer Niederlage. Immerhin f\u00fcgte Romero hinzu: \u00abAber lasst uns offen bleiben, wir werden sehen &#8230;\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Munizipalistische Praxis in Madrid<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Gegenst\u00fcck zu Flor\u00e9al Romeros Referat lieferte Ana M\u00e9ndez de And\u00e9s. Als die munizipalistische Plattform <em>Ahora Madrid<\/em> 2015 die Wahlen gewann, arbeitete sie als Stadtplanerin f\u00fcr den Stadtrat von Madrid. Somit konnte sie aus erster Hand von munizipalistischer Praxis berichten \u2013 und die Erfahrungen, die sie gemacht hat, waren hart und ern\u00fcchternd. Kaum seien die munizipalistischen Vertreter*innen in der Stadtregierung angekommen, seien sie \u2013 wie in einer Szene in \u00abHerr der Ringe\u00bb \u2013 von Orks umringt gewesen. Das politische Establishment, die Wirtschaft und die Medien seien gegen sie gewesen und auf der anderen Seite seien sie unter Druck gestanden, die Anliegen der sozialen Bewegungen zu erf\u00fcllen. Der eigene Anspruch, den Staat und den Kapitalismus zu transformieren, sei zwar immer dagewesen, es sei aber schwierig gewesen, Konzepte wie<em> urban commons<\/em> in konkrete Politik umzusetzen. So habe sich schliesslich die politische Arbeit, von aussen betrachtet, nicht von herk\u00f6mmlicher sozialdemokratischer Politik unterscheiden lassen, trotz des utopischen Horizonts einer Regierung \u00ab<em>in common<\/em>\u00bb. Das sei der weiteste Schritt gewesen, der unter den realen Umst\u00e4nden m\u00f6glich gewesen sei. Immerhin seien \u00abmanche Transformationen, in manchen Lokalit\u00e4ten, f\u00fcr manche Menschen\u00bb m\u00f6glich gewesen, und das habe die Vertreter*innen von <em>Ahora Madrid<\/em> motiviert, an ihren Ambitionen festzuhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Learning, das Ana M\u00e9ndez de And\u00e9s teilte, war, dass munizipalitische Politik nicht ohne Diplomatie und Verhandlungen auskommt. Beispielsweise mit den Transportarbeiter*innen, deren Vertrauen aufgrund der vorangehenden neoliberalen und konservativen Regierungen stark gesunken war. In den Verhandlungen sei es n\u00f6tig, sich selber zu ver\u00e4ndern, und die eigene Organisation m\u00fcsse diese Ver\u00e4nderung mittragen, sagte Ana M\u00e9ndez de And\u00e9s. Ern\u00fcchtert ist sie jedoch, was den <em>libert\u00e4ren<\/em> Munizipalismus in der 3,5-Millionen-Stadt Madrid angeht: \u00abDie Leute wollen keine Versammlungen\u00bb, stellte sie fest. \u00abIch hoffte ehrlich, dass ich mich selber \u00fcberfl\u00fcssig machen und die Leute erm\u00e4chtigen w\u00fcrde\u00bb, aber das sei nicht passiert, denn die Leute h\u00e4tten sich einfach eine gute Regierung ohne Austerit\u00e4t gew\u00fcnscht \u2013 und das h\u00e4tten sie bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem endete Ana M\u00e9ndez de And\u00e9s mit einer positiven Vision. Sie ist nach wie vor \u00fcberzeugt, dass Munizipalismus ein Transformationsexperiment ist, das vom Ansatz her n\u00e4her bei den Menschen ist als andere. Mit Praktiken des Commoning, beispielsweise den Zugang zu st\u00e4dischen Raum f\u00fcr alle zu f\u00f6rdern, k\u00f6nne eine zuk\u00fcnftige \u00abmunizipalistische Stadt in 30 Jahren\u00bb vorbereitet werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Synthese: \u00abEs liegt kein Verdienst in der Reinheit\u00bb<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am dritten Konferenztag war ein Block speziell der direkten Demokratie gewidmet. Hier zeigte sich, dass neben den Positionen \u00abausserhalb der Institutionen\u00bb und \u00abinnerhalb der Institutionen\u00bb<a href=\"#sdendnote9sym\" id=\"sdendnote9anc\"><sup>9<\/sup><\/a> eine dritte Position m\u00f6glich ist, eine Synthese der beiden. Theodoros Karyotis, der sein Referat in bester Bookchin\u2019scher Manier als \u00abPolemik\u00bb ank\u00fcndigte, kritisierte sowohl die anarchistische Tendenz (die gegen alles Staatliche ist und sich isoliert), als auch die \u00abkonstitutionelle\u00bb Tendenz (die sich von Parteien abh\u00e4ngig macht und ihre Autonomie aufgibt). Beide seien gescheitert darin, echten Wandel von unten zu bewirken. \u00abBeide beruhen auf einer \u00e4hnlichen Annahme, was Macht bedeutet. Sie verstehen nicht, was sie bedeutet.\u00bb Die anarchistische Bewegung (in Griechenland) habe nicht zwischen Repr\u00e4sentation und Delegation unterscheiden k\u00f6nnen und habe Insurrektion mit Revolution verwechselt. Politische Macht sei aber nicht dasselbe wie der Staat (der lediglich eine spezifische Konfiguration von politischer Macht darstelle). Auf der anderen Seite seien die munizipalistischen Experimente in Griechenland mehr liberal als libert\u00e4r gewesen. Bedauerlicherweise misstraue auch die Linke in Griechenland der Selbstverwaltung.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Ausweg schl\u00e4gt Theodoros Karyotis Folgendes vor: \u00ablokale Macht (<em>power in place<\/em>) aufbauen und dann die Volksmacht (<em>popular power<\/em>) nutzen, um unser Leben zu \u00e4ndern, ohne sich der Partei- und Top-down-Mentalit\u00e4t hinzugeben.\u00bb Das bedeute einerseits, Graswurzel-Ethik in die \u00d6ffentlichkeit zu tragen, aber andererseits auch, Reformen gutzuheissen, die das t\u00e4gliche Leben der Menschen verbessern. Nicht im Sinn von munizipalistischer Sozialdemokratie, das w\u00e4re ein Missverst\u00e4ndnis, sondern als \u00abantagonistischer Reformismus\u00bb, der die Institutionen ver\u00e4ndere. Und schliesslich m\u00fcssten wir unsere Gegenmacht nutzen, um unsere Errungenschaften (die Commons) auch <em>institutionell<\/em> zu sichern.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abEs liegt kein Verdienst in Reinheit und Marginalit\u00e4t!\u00bb, brachte es Karyotis auf den Punkt. Stattdessen sollten wir versuchen, ein inklusives und diverses \u00abWir\u00bb aufzubauen. Dieses k\u00f6nne nicht homogen sein, denn wir seien nicht alles Arbeiter*innen und wir seien nicht alles soziale \u00d6kolog*innen. \u00abEine soziale Revolution wird nicht m\u00f6glich sein, wenn sich nicht eine kritische Masse selber darin wiedererkennen kann\u00bb, unterstrich Theodoros Karyotis. Der Prozess sei notwendigerweise <em>messy<\/em> (unordentlich) und die Widerspr\u00fcche k\u00f6nnten nicht alle vor der Revolution gel\u00f6st werden. Wichtig sei jetzt, die Ideen von Selbstverwaltung und Commons in die politische Debatte einzubringen. \u00abDer Graswurzel-Ethos ist viel popul\u00e4rer, als wir denken \u2013 wir strengen uns nicht genug an, ihn an die \u00d6ffentlichkeit zu bringen!\u00bb, schloss Karyotis.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/kommunalismus.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/40f403c9-5ede-480e-9e6d-b4d644248b1f-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-997\" srcset=\"https:\/\/kommunalismus.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/40f403c9-5ede-480e-9e6d-b4d644248b1f-768x1024.jpg 768w, https:\/\/kommunalismus.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/40f403c9-5ede-480e-9e6d-b4d644248b1f-225x300.jpg 225w, https:\/\/kommunalismus.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/40f403c9-5ede-480e-9e6d-b4d644248b1f-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/kommunalismus.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/40f403c9-5ede-480e-9e6d-b4d644248b1f.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Yavor Tarinski<a href=\"#sdendnote10sym\" id=\"sdendnote10anc\"><sup>10<\/sup><\/a> gab anschliessend eine \u00dcbersicht \u00fcber die j\u00fcngere historische Tradition der (direkten) Demokratie, ausgehend von C. L. R. James. Dazu z\u00e4hlen unter anderem die pan-afrikanische Bewegung<a href=\"#sdendnote11sym\" id=\"sdendnote11anc\"><sup>11<\/sup><\/a>, die karibische Bewegung<a href=\"#sdendnote12sym\" id=\"sdendnote12anc\"><sup>12<\/sup><\/a> oder Beispiele aus post-sowietischen L\u00e4ndern wie Bulgarien. Tarinski erw\u00e4hnte ferner die Haitische Revolution (die sich leider zum Schlechten wandte), die R\u00e4te in der Libanesischen Revolution 1971, die internationalistischen Brigaden in Griechenland 1821 (lange vor der Spanischen Revolution!), F\u00f6derationen von selbstverwaltwtwen Kommunen in Russland, die Kommunen im bulgarischen Aufstand in den 1870er-Jahren, die faszinierende Geschichte der Kommune in den Bergen von Strandzha<a href=\"#sdendnote13sym\" id=\"sdendnote13anc\"><sup>13<\/sup><\/a> im Jahr 1903 oder die Arbeiter*innenr\u00e4te in der Ungarischen Revolution von 1956. Diesen historischen Beispielen ist gemeinsam, dass die damaligen Akteur*innen den lokalen Gemeinschaften nicht einfach ihre Ideologie auzwingen wollten, sondern Raum f\u00fcr Selbstverwaltung schufen. Die Akteur*innen der Makhnovshchina oder der Strandzha-Kommune h\u00e4tten die befreiten D\u00f6rfer nicht regieren wollen, so Tarinski, sondern ihnen gesagt: \u00abMacht es selbst!\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn an der TRISE-Konferenz keine abschliessende Einigkeit<a href=\"#sdendnote14sym\" id=\"sdendnote14anc\"><sup>14<\/sup><\/a> \u00fcber munizipalistische\/kommunalistische Strategie erzielt werden konnte, so gaben die Positionsbez\u00fcge doch eine hilfreiche Leitlinie, entlang der sich die Debatte \u00fcber kommunalistische Politik in Zukunft weiterentwickeln kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Natur, Dekolonialisierung \u2026 und alles Weitere<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Weil es an dieser Stelle nicht m\u00f6glich ist, alle Referate wiedergeben, seien nur einige Themenkomplexe erw\u00e4hnt. (Ein Blick ins Programm f\u00fcr eigene, weitere Recherchen sei w\u00e4rmstens empfohlen, ausserdem sind Videos der Vortr\u00e4ge verf\u00fcgbar \u2013 siehe unten!)<\/p>\n\n\n\n<p>An der Konferenz wurde viel \u00fcber die Erfahrungen in Kurdistan diskutiert. Die Akademie der Demokratischen Moderne (ADM) erkl\u00e4rte die Konzepte von Demokratischem Konf\u00f6deralismus, Demokratischer Autonomie und Demokratischer Nation, ausserdem gab es eine Einf\u00fchrung in Jineoloj\u00ee und Tekm\u00eel, und am ersten Abend wurde der Film <a href=\"https:\/\/anfenglish.com\/news\/belki-sibe-a-journey-through-war-and-revolution-30715\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/anfenglish.com\/news\/belki-sibe-a-journey-through-war-and-revolution-30715\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Belk\u00ee Sib\u00ea<\/a> gezeigt, mit anschliessendem Q&amp;A mit dem Filmemacher Alexis Daloumis, der 2016\/2017 in Rojava gegen den IS gek\u00e4mpft hat und seine Erlebnisse mit der Kamera festhielt. Die Diskussion drehte sich unter anderem um das Verh\u00e4ltnis der kurdischen Bewegung zur LGBT+-Bewegung: So erz\u00e4hlte Alexis Daloumis \u00fcber die Hintergr\u00fcnde zur internationalistischen Brigade, die 2017 mit ihrem Banner \u00abThese faggots kill fascists\u00bb viral gegangen war, was einige Irritationen ausl\u00f6ste. Daloumis, wie auch anderntags ein Vertreter der ADM, sind der Ansicht, dass die kurdische Bewegung zurzeit eher eine konservative Einstellung zur LGBT+-Bewegung habe, aber dass es eine Generationensache sei, und dass sich dies in Zukunft ver\u00e4ndern werde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/kommunalismus.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/b3bb6f9b-3251-4b4a-aaac-72eba657eea5-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-995\" srcset=\"https:\/\/kommunalismus.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/b3bb6f9b-3251-4b4a-aaac-72eba657eea5-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/kommunalismus.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/b3bb6f9b-3251-4b4a-aaac-72eba657eea5-300x225.jpg 300w, https:\/\/kommunalismus.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/b3bb6f9b-3251-4b4a-aaac-72eba657eea5-768x576.jpg 768w, https:\/\/kommunalismus.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/b3bb6f9b-3251-4b4a-aaac-72eba657eea5-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/kommunalismus.org\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/b3bb6f9b-3251-4b4a-aaac-72eba657eea5.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Zum Thema Dekolonisierung sprach unter anderem Matthew Tafoya. Als Vertreter der Navajo Nation beleuchtete er das Ph\u00e4nomen des \u00abNation Building\u00bb, also die Selbstorganisierung der indigenen St\u00e4mme seit dem Selbstbestimmungsgesetz von 1975. W\u00e4hrend manche St\u00e4mme selber imperialistische Praktiken reproduzieren (z. B. \u00d6lwirtschaft), streben manche nachhaltigere L\u00f6sungen an, beispielsweise bei der Energieproduktion, Ern\u00e4hrung, Wohnraum und Wirtschaft. Soziale \u00d6kologie sei <em>ein<\/em> Modell, um das Reservat neu zu gestalten, aber es gebe viele Wege.<\/p>\n\n\n\n<p>Sinead D&#8217;Silva erz\u00e4hlte vom Kampf gegen ein Autobahn-, Zug- und Stromleitungsprojekt in Goa, das mit Waldzerst\u00f6rung und Beeintr\u00e4chtigung von Natur und Menschen einhergeht. Strategien sind Community Organizing und \u00f6ffentliche Bildung, was wegen der Repression oft in anonymer Form geschieht, und mithilfe von Zines. Ein Vorteil ist, dass eine kommunalistische Tradition tief in der Bev\u00f6lkerung verankert ist. Dies \u00e4ussert sich unter anderem in <em>Panchayati<\/em> (formalisierte munizipalistische Regierungsform in l\u00e4ndlichen Gegenden) und <em>Gaonkari<\/em> (ein Commons-Kodex). Sinead D&#8217;Silva: \u00abDie Beziehung zum Land und die Verpflichtung, daf\u00fcr zu k\u00e4mpfen, wird nicht einmal infrage gestellt!\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Vom Kampf gegen Extraktivismus in der biodiversit\u00e4tsreichen Gegend von Intag, Ecuador, berichtete Katerina-Shelagh Boucoyannis. Ein Gegenmodell zur kolonialistischen \u00abgr\u00fcnen Transition\u00bb seien lokale L\u00f6sungen wie ein gemeinschaftbasiertes Energie- und Wasserscheide-Management mit kleinen Wasserkraftwerken.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abMatriarchal studies\u00bb, also die Forschung \u00fcber matriarchale Gesellschaften und ihre Werte, wie auch die Bewegung der <a href=\"https:\/\/www.maternalgifteconomymovement.org\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.maternalgifteconomymovement.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">maternalen Geschenk\u00f6konomie<\/a> waren ebenso Thema wie die Rolle von Schafhirten in einem integralen Landschaftsmanagement, oder eine <em>intentional community<\/em> (Kommune) in Missouri. Einige wenige Pr\u00e4sentationen standen etwas quer zum \u00fcbrigen Programm, etwa ein Beitrag \u00fcber Steueranreize f\u00fcr mehr Nachhaltigkeit.<a href=\"#sdendnote15sym\" id=\"sdendnote15anc\"><sup>15<\/sup><\/a> Begr\u00fcssenswert ist aber auf jeden Fall, dass diese Konferenz \u2013 und damit die soziale \u00d6kologie als Bewegung \u2013 offenbar immer mehr Beachtung findet und eine Vielzahl von Menschen anzieht, von Akademiker*innen bis zu Praktiker*innen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit: eine diverse und inklusive Bewegung aufbauen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Den Verantwortlichen von TRISE und der lokalen Organisationsstruktur in Athen ist es gelungen, einen Raum f\u00fcr Dialog und den Austausch von Theorie und Praxis zu \u00f6ffnen. Solche transnationalen Konferenzen sind von unsch\u00e4tzbarem Wert, um Akteur*innen miteinander zu vernetzen und Praxiswissen zwischen den Territorien hin und her zu tragen. <\/p>\n\n\n\n<p>Jedenfalls hat die soziale \u00d6kologie im europ\u00e4ischen Raum mit dieser Konferenz einen weiteren Schritt nach vorne gemacht. Ein von vielen geteilter Wunsch dr\u00e4ngt immer mehr an die Oberfl\u00e4che: im Angesicht der zunehmenden Krisen eine gemeinsame, aber dezentralisierte, autonome und sich st\u00e4ndig weiter entwickelnde Bewegung<a href=\"#sdendnote16sym\" id=\"sdendnote16anc\"><sup>16<\/sup><\/a> aufzubauen, die divers und inklusiv ist \u2013 und das Potenzial hat, der kapitalistischen Moderne im Rahmen einer <em>Dual-power-<\/em>Situation entgegenzutreten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Text: -md, <a href=\"https:\/\/kommunalismus.org\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/kommunalismus.org\">Netzwerk f\u00fcr Kommunalismus<\/a> <\/em><br><em>Fotos: Greek Libertarian Journal &amp; Website <a href=\"http:\/\/www.aftoleksi.gr\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.aftoleksi.gr<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:26px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Programm der TRISE-Konferenz 2024 in Athen: <a href=\"https:\/\/trise.org\/2024\/10\/12\/trise-conference-program\/\">https:\/\/tri<\/a><a href=\"https:\/\/trise.org\/2024\/10\/12\/trise-conference-program\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">s<\/a><a href=\"https:\/\/trise.org\/2024\/10\/12\/trise-conference-program\/\">e.org\/2024\/10\/12\/trise-conference-program\/<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Videos: <a href=\"https:\/\/trise.org\/2024\/10\/29\/video-recordings-from-our-2024-conference\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/trise.org\/2024\/10\/29\/video-recordings-from-our-2024-conference\/<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Noch sind nicht alle Kosten der Konferenz gedeckt (Stand: Anfang November 2024). Hier geht es zum <a href=\"https:\/\/gofund.me\/fcd7f52a\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/gofund.me\/fcd7f52a\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Crowdfunding<\/a>. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote1anc\" id=\"sdendnote1sym\">1<\/a> Natalia Mamonova berichtete \u00fcber die \u00abstille Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t\u00bb in der Ukraine: eine nachhaltige Praxis, die Teil des Alltags ist, nicht etwas Spezielles. Seit dem Angriff von Russland zeige sich, dass die neoliberale industrielle Landwirtschaft ein Riese auf t\u00f6nernen F\u00fcssen sei. Sie sei extrem verwundbar, wenn die Lieferketten zusammenbr\u00e4chen. Kleinbauern, die w\u00e4hrend der Sowjetzeit als \u00abineffizient\u00bb verunglimpft wurden, k\u00f6nnten ihre Felder trotzdem pfl\u00fcgen. Es sei jedoch schwierig, sie f\u00fcr fremde, abstrakte Konzepte wie Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t zu gewinnen. Sie w\u00fcnschten sich keine Revolution, sondern Stabilit\u00e4t, auch wenn das lediglich eine bessere Integration ins neoliberale System bedeute. Deshalb empfiehlt Natalia Mamonova, solche Gruppen nicht mit radikalen Vorschl\u00e4gen anzusprechen, sondern bestehende, kulturell anerkannte nachhaltige Praktiken zu f\u00f6rdern. Eine interessante Parallele in dieser Hinsicht zog Natalia Mamonova zu den diesj\u00e4hrigen B\u00e4uer*innenprotesten in Europa. Zuerst h\u00e4tten Gross- und Kleinb\u00e4uer*innen gemeinsam protestiert, aber die Politik habe nur die Grossen geh\u00f6rt und Regulierungen, die Akkumulation verhindern, abgeschafft. Daraufhin zogen sich die Kleinen (z. B. die bei Via Campesina organisierten), die f\u00fcr mehr Nachhaltigkeit waren, zur\u00fcck. Eine konkrete Strategie f\u00fcr den Umgang mit den europ\u00e4ischen B\u00e4uer*innenprotesten pr\u00e4sentierte Natalia Mamonova zwar nicht, warnte aber davor, dass die Grenzlinie zu einem nationalistischen Diskurs sehr schmal sei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote2anc\" id=\"sdendnote2sym\">2<\/a> \u00abLet&#8217;s make waste revolutionary again\u00bb: Federico Venturini skizzierte in seinem Referat, wie Abfallbewirtschaftung aus sozial-\u00f6kologischer Perspektive aussehen k\u00f6nnte. Von der Erkenntnis, dass Recycling nicht gen\u00fcgt und eine Kreislaufwirtschaft n\u00f6tig ist (\u00abIn der Natur gibt es keine Abfalldeponien\u00bb), ist es nur noch ein kleiner Schritt bis zur Infragestellung der Machtverh\u00e4ltnisse und unserer Produktions- und Konsumweise. Und von dort aus ist der n\u00e4chste Schritt, \u00fcber neue Gesellschaften jenseits des Kapitalismus nachzudenken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote3anc\" id=\"sdendnote3sym\">3<\/a> Der Titel der Konferenz lautete \u00abThe Politics of Social Ecology: From Theory to Praxis\u00bb (\u00abDie Politik der sozialen \u00d6kologie: von der Theorie zur Praxis\u00bb), <a href=\"https:\/\/trise.org\/2024\/10\/12\/trise-conference-program\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/trise.org\/2024\/10\/12\/trise-conference-program\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote4anc\" id=\"sdendnote4sym\">4<\/a> Jere Kuzmani\u0107 redete \u00fcber anarchistische Einfl\u00fcsse in der Stadtplanung, von Kropotkin, Reclus und Mumford (Letzterer wurde in mehreren Referaten erw\u00e4hnt) bis zu Bookchin oder Giancarlo De Carlo. Pijatta Heinonen pr\u00e4sentierte ihre <a href=\"https:\/\/www.deepcommons.net\/pijatta-heinonen\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.deepcommons.net\/pijatta-heinonen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Studie<\/a> \u00fcber bauliche Strukturen in autonomen Camps und Besetzungen und die damit verbundenen Praktiken (Plena, Arbeitsgruppen, Selbstorganisation, Konfliktl\u00f6sung, Skillsharing). Ihre Forschung zeigt, wie urbane Planung aussehen kann, wenn die H\u00fcrden des Privateigentums abwesend sind. Oft gilt: \u00abWenn ein Ort leer ist, kannst du es machen\u00bb und wenn sich Bed\u00fcrfnisse \u00e4ndern, k\u00f6nnen gemeinschaftliche R\u00e4ume flexibel umgenutzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote5anc\" id=\"sdendnote5sym\">5<\/a> Mehrere Beitr\u00e4ge befassten sich mit Commons. Stavros Stavrides redete \u00fcber Commoning-Prozesse, beispielsweise in Lateinamerika, Neapel oder Athen. Unter anderem unterschied er zwischen \u00f6ffentlichem Raum und gemeinsamem Raum (<em>common space<\/em>). Letzterer wird von den Menschen erzeugt und offen gehalten, verl\u00e4sst sich aber nicht darauf, dass der Staat ihn garantiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote6anc\" id=\"sdendnote6sym\">6<\/a> Georgios Poulados z. B. pl\u00e4dierte daf\u00fcr, dass verschiedene Gruppen wie Feminist*innen und Arbeiter*innen, j\u00fcngere und \u00e4ltere Menschen mit ihren verschiedenen Ideen, sich im Sinn von <em>unity in diversity<\/em> vereinen: \u00abDifferenzen f\u00fchren zu Zusammenst\u00f6ssen; der einzige Weg zu einer L\u00f6sung ist: diskutieren.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote7anc\" id=\"sdendnote7sym\">7<\/a> Flor\u00e9al M. Rom\u00e9ro ist eine treibende Kraft im Aufbau einer sozial-\u00f6kologischen und kommunalistischen Bewegung in Frankreich und Spanien. Er ist Autor des einflussreichen Buches <a href=\"https:\/\/www.editionsducommun.org\/products\/agir-ici-et-maintenant-floreal-m-romero\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Agir ici et maintenant <\/a>(2019) und Co-Autor, zusammen mit Vincent Gerber, von <a href=\"https:\/\/www.lepassagerclandestin.fr\/catalogue\/precurseur-ses-decroissance\/murray-bookchin-et-lecologie-sociale-libertaire\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Murray Bookchin et l&#8217;\u00e9cologie sociale libertaire <\/a>(2020). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote8anc\" id=\"sdendnote8sym\">8<\/a> Der kanadische politische Aktivist und Verleger Dimitrios I. Roussopoulos ist Mitgr\u00fcnder von TRISE, aber vor allem bekannt durch den Buchverlag <a href=\"https:\/\/blackrosebooks.com\/pages\/about\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Black Rose Books<\/a> und sein Engagement f\u00fcr politische Bewegungen. In Montr\u00e9al setzt er sich f\u00fcr politische Dezentralisierung und radikal-munizipalistisches Community Organizing ein. Er war in die Gr\u00fcndung des Projekts Milton Park involviert und war ein Vertrauter von Murray Bookchin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote9anc\" id=\"sdendnote9sym\">9<\/a> Selbstverst\u00e4ndlich ist, wenn es um Munizipalismus geht, eine Verankerung in den ausserinstitutionellen, sozialen Bewegungen unabdingbar. Das war\/ist auch bei den munizipalistischen Erfahrungen in Spanien und anderswo ganz stark der Fall. Weitere Informationen zum aktuellen Munizipalismus sind unter anderem beim <a href=\"https:\/\/municipalisteurope.org\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/municipalisteurope.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">European Municipalist Network (EMN)<\/a> und bei <a href=\"https:\/\/fearlesscities.com\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/fearlesscities.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Fearless Cities<\/a> zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote10anc\" id=\"sdendnote10sym\">10<\/a> Artikel und Texte von Yavor Tarinski sind hier zu finden: <a href=\"https:\/\/towardsautonomyblog.wordpress.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/towardsautonomyblog.wordpress.com\/<\/a> und <a href=\"https:\/\/theanarchistlibrary.org\/category\/author\/yavor-tarinski\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/theanarchistlibrary.org\/category\/author\/yavor-tarinski<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote11anc\" id=\"sdendnote11sym\">11<\/a> Auch der amerikanische Autor <a href=\"https:\/\/kommunalismus.org\/?p=486\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/kommunalismus.org\/?p=486\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Modibo Kadalie<\/a> steht laut Yavor Tarinski in dieser demokratischen Tradition.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote12anc\" id=\"sdendnote12sym\">12<\/a> Siehe auch: Quest, Edwards: Workers&#8216; Self-management in the Caribbean. The Writings of Joseph Edwards. On Our Own Authority! Publishing. 2014.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote13anc\" id=\"sdendnote13sym\">13<\/a> <a href=\"https:\/\/towardsautonomyblog.wordpress.com\/2022\/06\/06\/the-commune-and-the-balkans-the-case-of-bulgaria\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/towardsautonomyblog.wordpress.com\/2022\/06\/06\/the-commune-and-the-balkans-the-case-of-bulgaria\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote14anc\" id=\"sdendnote14sym\">14<\/a> Eine weitere interessante Debatte, eher begrifflicher Natur, entspannte sich zum Wort \u00abHegemonie\u00bb. Wenn wir die aktuelle, kapitalistische Hegemonie im Sinn der sozialen \u00d6kologie \u00fcberwinden wollen, ist das dann eine Non-Hegemonie oder eine vielmehr Gegen-Hegemonie?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote15anc\" id=\"sdendnote15sym\">15<\/a> Themen, die nicht zum sozial-\u00f6kologischen \u00abKanon\u00bb geh\u00f6ren, sind aber unbedingt auch als Bereicherung zu sehen \u2013 sofern sie nicht den basalsten Prinzipien zuwiderlaufen. Ein Beitrag, der etwas aus der Rolle fiel, aber interessante Ansatzpunkte gab, war beispielsweise derjenige von Zdravko Saveski \u00fcber direktdemokratische Online-Abstimmungen, kombiniert mit deliberativer Demokratie. Im anschliessenden Q&amp;A wies eine Person darauf hin, dass deliberative Demokratie (z. B. B\u00fcrger*innenforen) zurzeit stark diskutiert werden, beispielsweise am k\u00fcrzlichen Athens Democratic Forum, und dass jetzt der beste Moment sei, um in diese Debatte einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#sdendnote16anc\" id=\"sdendnote16sym\">16<\/a> Ein Vorbild k\u00f6nnte unter anderem <em><a href=\"https:\/\/lessoulevementsdelaterre.org\/de-de\/blog\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/lessoulevementsdelaterre.org\/de-de\/blog\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Les soul\u00e8vements de la Terre<\/a> <\/em>sein. Ewan Jenkins diskutierte in seinem Beitrag die \u00abKomposition\u00bb (engl. <em>composition<\/em>) von sozialen Bewegungen. Seit der De-Komposition des Proletariats nach 1968 sei das Problem, dass eine soziale Einheit und ein politisches Subjekt fehle. Ewan Jenkins (auch mit Bezug auf Negri oder Agamben) nannte einige unbefriedigende oder gescheiterte Versuche, etwa bei der ZAD von Notre-Dame-des-Landes, die eine \u00abfalsche Einheit\u00bb von autonomen Radikalen und Liberalen gewesen sei. Occupy habe gezeigt, dass eine Multitude, die Versammlungen abhalte, nicht gen\u00fcge. Als positives Beispiel einer gegl\u00fcckten Komposition nannte er <em>Les soul\u00e8vements de la Terre. <\/em>Nachdem sich die Umweltaktivist*innen mit lokalen Wasserk\u00e4mpfen (gegen die <em>m\u00e9ga-bassines<\/em>) zusammengeschlossen h\u00e4tten, sei die Bewegung riesig geworden. In dem dezentralen, \u00abrhizomatischen\u00bb Netzwerk w\u00fcrden sich Autonome, Landwirt*innen, Klimaaktivist*innen und sogar EU-Politiker*innen wiederfinden. Jenkins stellte zum Schluss die Frage, ob sich in diesem Kontext ein neues Subjekt herausbilden k\u00f6nnte: \u00abDie Natur, die sich selber verteidigt.\u00bb (Anmerkung: Aufgrund des zeitlich knappen Formats gab es dazu keine ausf\u00fchrliche Diskussion, aber die von Jenkins aufgeworfenen Gedanken haben sicher Ankn\u00fcpfungspunkte an die soziale \u00d6kologie, etwa zu ihren Konzepten \u00ab<em>unity in diversity<\/em>\u00bb, \u00ab<em>general\/particular<\/em>\u00bb (Chaia Heller) oder der Gesellschaft als \u00ab<em>nature rendered self-conscious<\/em>\u00bb.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der TRISE-Konferenz 2024 in Athen hat die \u00absocial ecology\u00bb-Bewegung im europ\u00e4ischen Raum einen grossen Schritt nach vorne gemacht. Rund 200 Teilnehmende diskutierten \u00fcber so vielseitige Themen wie Stadtplanung von unten, Geschenk\u00f6konomie, Demokratischen Konf\u00f6deralismus, dekolonialen Widerstand in Indien oder Ecuador, Commons, matriarchale Kultur, indigene Selbstverwaltung oder Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t. Ein Schwerpunkt war kommunalistische (bzw. munizipalistische) Praxis. 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