Beamerprojektion an einer Wand. Text: Internationalismus mit den Prinzipien der Demorkatischen Moderne organisieren. Ist ökologischer Internationalismus möglich?

Ein ökologischer Internationalismus

»Unsere Perspektive ist nicht ein Kampf ›gegen‹ etwas, sondern die Gesellschaft aus einer ökologischen Perspektive neu zu organisieren.« Ein Workshop in Basel gab eine Einführung in die Grundsätze und Erfahrungen der Ökologiebewegung TEV-EKO.

Ökologischer Aktivismus ist in der kurdischen Bewegung nichts Neues, schon 2005 wurde diese Arbeit in Nordkurdistand und Rojava aufgenommen. Einige der Bewegung verbundene Menschen fanden jedoch, dass es auch in Europa unbedingt eine unabhängige Organisation für ein ökologisches Leben braucht, und so wurde im Dezember 2024 TEV-EKO gegründet.

Kurz gesagt ist TEV-EKO »ein demokratischer Ansatz, um Ökologie umzusetzen«, wie ein Referent an einem Workshop des Sommercamps »Bildet Banden« im September 2026 in Basel erklärte. Es gebe zwar bestehende Organisationen, aber die seien oft mit Parteipolitik verbunden. Das sei ungenügend, meinte der Referent: »Ökologie ist ein Problem, das die ganze Erde betrifft und weil es so allumfassend ist, braucht es eine Organisation mit einem eigenen Charakter und einer ökologischen Perspektive.«

In dieser Perspektive bezieht sich TEV-EKO auf die soziale Ökologie (social ecology), wie sie von Murray Bookchin beschrieben wurde. »Es handelt sich um eine rationale Perspektive, die Gesellschaft und die Realität verbindet und als ein Ganzes ansieht und eine Balance herstellen will«, führte der Referent aus.

Im Kleinen beginnen: eine regional strukturierte Gesellschaft

In Kurdistan gibt es grosse Probleme mit Energie, Wasser, Strassen, Logistik – aber keine politische Lösung. Bis jetzt waren Ökologiebewegungen meistens eine Reaktion auf etwas, beispielsweise den Bau einer Autobahn oder eines Staudamms. Der Vorschlag von TEV-EKO hingegen lautet: Es geht um die ganze Gesellschaft; um den Lebensstil der kapitalistischen Moderne, der uns aufgedrängt wird. Der Weg von TEV-EKO ist, nicht den Kapitalismus direkt anzugreifen, sondern die Gesellschaft zu stärken, sodass sie ein Bewusstsein entwickelt. Kein »Gegen«, sondern eine neue Dimension: Menschen, Tiere, Pflanzen, Insekten, sie alle stehen einer demokratischen Beziehung zu einander, wie es die soziale Ökologie besagt.

Die Transformation hin zu einer demokratischen Moderne beginnt im Kleinen, denn eine regional strukturierte Gesellschaft kann die Bedürfnisse der Menschen erkennen und erfüllen. Der Referent nannte das Beispiel von Solothurn: Die Politik will eine Durchgangsstrasse bauen, mit der Begründung, »dass wir diese Verkehrsverbindung brauchen«. Aber wenn die Menschen, die dort leben, gefragt werden, zeigt sich, dass sie andere Bedürfnisse haben. Wollen sie diese Strasse wirklich?

Erfahrungen mit sozialer Ökologie in Kurdistan

In Nordkurdistan gibt es bereits viel Erfahrung mit der regionalen Umsetzung von sozialer Ökologie. Bei Regionalwahlen in den Jahren 2014 und 2019 unterschrieben Kandidierende eine Charta, dass sie im Sinn dieser Ideen handeln wollen. Das Dokument thematisierte ökologisches Handeln in Balance mit der Natur, beispielsweise dass in den Dörfern Feuerbrigaden aufbaut werden oder Pflanzensamen für die Gärten bereitgestellt werden. »Wir brauchen eine soziale Perspektive auf die Ökologie«, sagte der Referent.

Ökologie betrifft nicht nur ländliche Gebiete: 86 Prozent der globalen Bevölkerung lebt in Städten, deshalb ist es notwendig, ökologische Arbeit auch in Städten zu leisten. TEV-EKO setzt sich damit auseinander, wie die Realität hier bei uns ist und wie die Idee in der Region gestärkt und umgesetzt werden kann. Dass das nicht einfach ist, zeigt das Beispiel Kurdistan: Dort war die Idee da, aber dann kam der Staat und setzte Zwangsverwaltungen ein.

Seit etwa 50 Jahren, insbesondere nach dem Jahr 2000, haben die kapitalistische Moderne und die Staaten ihre hegemoniale Spaltung intensiviert. Im Mittleren Osten üben der Iran und die Türkei hegemonialen Druck aus, indem sie über die Quellen des Euphrat und Tigris verfügen und entscheiden, ob sie Wasser nach Irak und Syrien fliessen lassen oder nicht. Dasselbe gilt für Israel in Bezug auf Oman und Lybien, aber auch in Afrika, Europa oder Südamerika werden Wasser und andere Ressourcen in der sich verschärfenden Klimakrise als Druckmittel eingesetzt, als eine eine Form der Kriegsführung. In einer Zeit, in der sich der Faschismus organisiere, und die von einem weltweiten Aufstieg der Rechten geprägt sei, brauche es eine ökologische Intervention, meinte der Referent: »Wir müssen unsere Kräfte bündeln und sie konfrontieren.«

Es braucht eine internationalistische ökologische Organisation

Die neue Weltordnung, die der Welt von Trump und anderen aufgedrängt wird, tritt nicht nur in Kurdistan zutage, sondern global. In Venezuela und Kuba, aber auch Deutschland mit der AfD, in Frankreich oder in der Schweiz mit der (zum Glück gescheiterten) 10-Millionen-Initiative. Die Rechte benutzt die Klimakrise, um die Angst vor Migration, Wasser- und Lebensmittelknappheit zu instrumentalisieren.

Der Referent forderte ein Umdenken in der Linken und ein Besinnen auf die Ökologie: »Klassische Lösungen funktionieren nicht mehr gegen Autoritarismus«. Wir müssten Strukturen organisieren und Netzwerke bilden – insbesondere internationalistische. In der 1. und 2. Internationale sei Ökologie kein Thema gewesen, jetzt liege es jedoch in unserer Verantwortung, diese Perspektive aufzunehmen.

Diskussion: gesellschaftlicher Aufbau

Im Anschluss an das Referat entspann sich eine längere Diskussion unter den Workshopteilnehmenden. Eine Person bemerkte, dass es bereits internationalistische ökologische Aktivitäten gebe, zum Beispiel Klimacamps, Waldbesetzungen, internationale Delegationen und Konferenzen. Die Klimagerechtigkeitsbewegungen seien jedoch oft thematisch getrennt, etwa gegen Atomkraftwerke, Fracking, Kohle, gegen Rechts oder gegen den Bau eines konkreten Datacenters. Die Person plädierte für einen Perspektivenwechsel in den Kämpfen: Frontal gegen das System könnten wir nicht gewinnen, deshalb müsse der Fokus auf gesellschaftlichen Aufbau gelegt werden, etwa mit dem Aufbau von Nachbarschaftsstrukturen.

Eine Anwesende entgegnete, dass die kurdische Frauenbewegung dies umsetze. Ökologie sei zwar nicht der einzige Aspekt, aber Teil einer ganzheitlichen Organisierung. Dabei gehe es auch um die Frage: »Wie können wir das umsetzen, dass Menschen für die Ökologie kämpfen und nicht in die Falle des Faschismus tappen und seinen Narrative verfallen?« Menschen, auch wenn sie (noch) eine andere Meinung haben, sollten nicht als »diese Idioten von der anderen Seite« gesehen werden. »Sie verstehen es, wenn wir es ihnen erklären«, war die Person überzeugt.

Leben als Grundlage: Franz von Asisi, Thomas Müntzer und Şeyh Bedreddin

Eine Publikumsfrage drehte sich um die extrem ungleiche Reichtumsverteilung und die Hoffnung auf eine neue Wirtschaftsweise. Der Referent von TEV-EKO sagte mit den Worten von Abdullah Öcalan, dass Kapitalismus nicht durch eine Revolution abgeschafft wird, sondern durch eine Transformation der Gesellschaft: »Wir müssen realistisch sein, wir können den Milliardären nicht ihr Geld wegnehmen und es der Gesellschaft geben, es braucht Zeit, um die ökonomische Ungleichheit abzuschaffen.« Er plädierte dafür, sich regional zu organisieren, Kooperativen und Kommunen zu bilden, um die Bedürfnisse der Menschen mit einer regionalen Ökonomie zu erfüllen und einen Prozess der wirtschaftlichen Demokratisierung anzustossen. Dazu sei es erforderlich, neue politische Strukturen mit einem Rätesystem zu bilden – und in der Sowjetunion und in Kuba sei die Revolution ja auch nicht an einem Tag umgesetzt worden.

Zudem dürften die Fehler der vergangenen Revolutionen nicht wiederholt werden. Eine neue Formation der demokratischen Moderne könne sich stattdessen an Vorbildern wie Franz von Asisi, Thomas Müntzer und Şeyh Bedreddin orientieren. Sie verbindet, dass sie das Leben als Grundlage für eine demokratische Kultur ansahen. Eine kurdische Aktivistin fügte hinzu: »Wenn wir von Demokratie sprechen, meinen wir nicht westliche Art, sondern es geht um Basisdemokratie, um wirkliche Entscheidungen des Volkes.«

Internationalismus: demokratische Einheit in der Facetten-Vielfalt

Die Diskussion schnitt auch Themen wie Emotionen und Religion an: Auf jeden Fall müssten ökologische Konzepte auf zugängliche Art und sinnstiftend vermittelt werden. »Weg von einem angeblichem Radikalismus«, wie eine teilnehmende Person sich ausdrückte. Dazu gehöre auch das Aushalten von Differenzen, lautete ein weiteres Votum. Insbesondere brauche es eine bessere Fehlerkultur in der weissen Klimabewegung, »nicht sich ein für allemal festlegen, sondern sich auf dem Weg gegenseitig weiterhelfen.« Diversität sei auf jeden Fall ein Anknüpfungspunkt für die Öffentlichkeit.

Und da schlug der TEV-EKO-Referent wieder den Bogen zum Internationalismus, der sich durch Vielfalt und Facettenreichtum auszeichne: »Das Nicht-Perfekte ist unser Ziel – eine demokratische Einheit in der Facetten-Vielfalt.« In diesem Sinne sei im Sozialismus ein Demokratisierungsprozess und eine Praxis des neuen Denkens nötig.

Weitere Informationen zu TEV-EKO: teveko.org


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