Über uns

Das Netzwerk für Kommunalismus ist eine offene und basisdemokratische Gruppierung im deutschsprachigen Raum. Unsere Struktur befindet sich im Aufbau; aktuell sind wir eine lose Vereinigung von Einzelpersonen, die in verschiedenen Bewegungen aktiv sind.

Wir denken, dass der Begriff des »Kommunalismus« geeignet ist, revolutionäre basisdemokratische Bewegungen zu einer vielfältigen Einheit zusammenzufassen und als solche sichtbar werden zu lassen.

Unser Ziel ist es, Themen wie Kommunalismus, soziale Ökologie und demokratischer Konföderalismus in den gesellschaftlichen Diskurs und in die linke Praxis einzubringen. Wir möchten einen Raum für Diskussionen öffnen, indem wir uns in Chats und (Online-)Treffen austauschen, Texte und Artikel teilen, oder Workshops organisieren. Wir möchten bestehende kommunalistische Initiativen vernetzen, fördern und unterstützen.

Alle Interessierten, ob Einzelpersonen oder Organisationen, sind eingeladen, sich dem Netzwerk anzuschliessen und mitzuwirken.

Wir rufen euch auf: Vernetzen wir uns, um einen breiten Diskurs über »Kommunalismus« entstehen zu lassen und die Bildung eines kommunalistischen Pols zu befördern!

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Was wir unter Kommunalismus verstehen

Aufgrund der Überzeugung, dass die Menschen fähig sind, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und kollektiv zu gestalten, ist die lokale Ebene der wichtigste Ort, an dem politische Entscheidungen getroffen werden. Alternativ wird auch von Basisdemokratie oder Selbstverwaltung gesprochen.
In diesem Sinn ist auch die Praxis der Stadtteilarbeit und der Basisorganisierung kommunalistisch, selbst wenn sich die entsprechenden Gruppen nicht explizit so bezeichnen. «Kommunal» kann, je nach örtlichem Kontext, die Quartiers-, Bezirks-, Stadt- oder Dorfebene sein.
Der Begriff des «Kommunalismus» wurde zuletzt vor allem durch Murray Bookchin (1921-2006) geprägt. Die lebendige Bewegung ist jedoch älter und geht über ihn und sein Werk hinaus. Sie umfasst historische Beispiele wie die Pariser Kommune von 1871 und aktuelle Bewegungen wie die Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien (Rojava).

Alternative Begriffe für Konföderation sind: «Kommune der Kommunen» oder «Vollversammlung der Vollversammlungen». Die Konföderation wird als Gegenmodell zu Nationalstaat und repräsentativer Demokratie angesehen. Daraus ergibt sich eine revolutionäre Dual-Power-Strategie und so zugleich eine Auseinandersetzung mit dem Staat um Organisationskraft und Legitimität.

Staat, Zentralismus, Top-down-Regierung, Klassenherrschaft, Patriarchat, LGBTIAQ+-feindlichkeit, Rassismus, (Neo-)Kolonialismus, die Ausbeutung der Natur und andere Herrschaftsformen werden in intersektionaler Perspektive analysiert und abgelehnt.

Politische Freiheit bedeutet, als Teil eines Kollektivs gemeinsam politische Entscheidungen zu treffen. Dies ist eine Praxis, die eingeübt werden muss und deshalb auch eine gewisse Fehlertoleranz erfordert. Es handelt sich um eine bewusste Abkehr vom üblichen Politikbegriff, der auf Bürokratie, Parteiinteressen, Elektoralismus und repräsentativer Demokratie (als Vertretung und Abdankung) beruht. Das heißt nicht, dass es in kommunalistischen Bewegungen keinen Platz für parteiähnliche Organisationen gibt. Sie können eine wichtige Rolle spielen, aber sie sind basisdemokratisch aufgebaut und besitzen keine politische Entscheidungsmacht. Diese bleibt in den Vollversammlungen.

Ökologie wird im Kommunalismus nicht lediglich als Umweltschutz und «Nachhaltigkeit» verstanden, sondern politisch. Da die Herrschaft von Menschen über Menschen und die Idee der Herrschaft über die Natur als untrennbar miteinander verknüpft begriffen werden, ist hier von vornherein die Rede von «sozialer Ökologie».

Umwelt- und Klimagerechtigkeitskämpfe, deren Praxis auf einer solchen Theoriegrundlage fußt, sind besser darauf vorbereitet, eine wirkliche sozial-ökologische Transformation zu erreichen und nicht in die Fallen von bloßer Symbolik, Appellen zur Mäßigung und Rekuperation durch das kapitalistische System zu tappen.

Ein gutes Beispiel für Umwelt- und Klimagerechtigkeitskämpfe im kommunalistischen Sinn sind Waldbesetzungen, die territoriale und basisdemokratische Aspekte miteinander verbinden.

Historisch sind soziale Ökologie und Kommunalismus eng mit feministischen Bewegungen verbunden. So werden am Institute for Social Ecology (ISE) bis heute regelmäßig Kurse zu sozialem Ökofeminismus angeboten. In der Theorie von Murray Bookchin bildet die Analyse des Patriarchats einen wichtigen Eckstein, um die Funktionsweise vieler heutiger Gesellschaften zu erklären.

Kommunalist*innen fordern eine Wirtschaft, die nicht Profit, sondern Sorgearbeit und die Erfüllung von Bedürfnissen ins Zentrum stellt. Ziel ist das «gute Leben für alle». Der Kommunalismus strebt eine Wirtschaft an, in der die Produktion und Reproduktion basisdemokratisch geplant wird. Das kann je nach örtlichem Kontext durch Vollversammlungen, kommunale Räte oder auch Arbeiter*innenräte geschehen. Der Kommunalismus weist deshalb große Schnittmengen mit Anarchosyndikalismus, Rätekommunismus, autonomen, basisdemokratischen Arbeiter*innenbewegungen sowie Especifismo, anarchokommunistischen und plattformistischen Bewegungen auf.

Die Transformation der Gesellschaft (System Change) wird als soziale Revolution verstanden. Diese besteht primär darin, basisdemokratische Strukturen und Institutionen als «Formen der Freiheit» (Murray Bookchin) aufzubauen und zu festigen.

Kommunalismus richtet sich an den bereits umrissenen Prinzipien aus, ist jedoch bewusst nicht abgeschlossen oder dogmatisch. So kommt es, dass nicht alle Kommunalist*innen die Strategie des «libertären Munizipalismus» oder andere Munizipalismen befürworten, die eine Teilnahme an Lokalwahlen beinhalten. Obwohl es viele munizipalistische Erfahrungen gibt, die Mut machen, gibt es Kommunalist*innen, die sich ausschließlich auf den außer-institutionellen Weg konzentrieren.